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Zum gesamten Bericht gelangst du hier!

 

 

„Alles steht unter einem göttlichen Stern!“

 

 

„ …. für Frieden, Freude und Freiheit“

 

 

„Wir sind alle Kinder Gottes und damit Brüder und Schwestern auf Erden“

 

 

4. Bericht

 

Heute haben wir die Staatsgrenze zu Syrien überschritten!

Wir schreiben nunmehr den 10. November 2010.

 

Was wir dabei erlebt haben, ist es wert, aufgeschrieben zu werden:

 

Acht Kilometer vor der Grenze … : Unauffällig stoppt ein Pkw unmittelbar vor Johannes. Der Fahrer steigt aus und nähert sich unserem Kameraden. Instinktiv erkennt Johannes, dass es sich dabei um eine Kontrolle handelt …. weshalb auch er seinen Polizei-Dienstausweis griffbereit hält. - Und tatsächlich, der Fahrzeuglenker zieht seinen Ausweis und gibt sich als Zivilpolizist zu erkennen; eine Kontrolle ist angesagt. - Jetzt zeigt auch Johannes seinen Dienstausweis und gibt seinem Gegenüber zu verstehen, „ich auch Polizist, aber in Austria ...“. - Auf diese Weise war natürlich das Eis sofort gebrochen. Wir wurden sogar noch in das Polizeihauptquartier auf einen Tee eingeladen.

 


 

Doch das war noch nicht alles …. : Nach dem Tee, den wir so richtig genossen und nachdem wir das Ereignis fotografisch für die Nachwelt erhalten haben, wurden wir auch noch mit dem Dienstfahrzeug zur Grenze gebracht. Dort nahmen wir eine absolute  Sonderstellung ein. Ohne Zeitverlust und ohne uns anstellen zu müssen, wurden wir gleich durchgewunken.

 

Natürlich haben wir diesen Service mit Freude angenommen und genossen; wir sind dankbar dafür und demütig zugleich. Gut gelaunt verabschiedeten wir uns von unseren neuen Freunden mit einem herzlichen „Dankeschön“. - Das war also unser erstes Erlebnis in Syrien! Wir sind schon gespannt, was uns dieses Land noch alles bringen wird.

 

Seit dem 13. Oktober bis jetzt hat sich natürlich wieder viel ereignet, das wir euch keinesfalls vorenthalten wollen:

 

Als wir Konya am 14. Oktober verlassen wollten, hatte Otto starke Schmerzen in der großen Zehe, die er ohne Untersuchung durch einen Arzt nicht einfach so belassen  wollte. - Ich gab ihm daher einen, aus meiner Sicht guten, Tipp: „Otto nimm die Schmerzen mit einem Lächeln an, gehe in die Schmerzen hinein und einfach durch die Schmerzen hindurch ...“. Zugegeben, nicht einfach, aber es geht .... ! - Otto aber wollte davon nichts wissen, weshalb wir dann auch zu einem Arzt gefahren sind, von dem er sich untersuchen ließ. Der Doktor konnte nichts Gravierendes feststellen und äußerste auch keine Bedenken, wenn Otto mit uns weiter wandert. Beruhigt sind wir dann wieder zurück zum Hotel. Otto hatte dort noch seinen Rucksack; er hatte noch nicht gepackt, da er der Meinung war, nicht weiter gehen zu können. - Um 13.30 Uhr sind wir dann schließlich mit dem Taxi bis zum Stadtrand gefahren, von wo aus wir endlich wieder unsere Pilgerschaft fortsetzen konnten.

 

Persönliche Betrachtung:

 

Wir gehen auf einer Schotterstraße in Richtung Cumra. Es ist der 14. Oktober 2010, 14.00 Uhr. - Wahrlich eine Strecke der besonderen Art: Links - nichts ..., rechts - nichts …. und wieder nichts …. und nochmals nichts … Alles verläuft gerade, eine extrem eintönige Landschaft, … eine fade Strecke, alles gerade, gerade und wieder gerade ….. und das so weit das Auge reicht. Die Straße ….. kilometerlang nur gerade ...

 

Wieder ein idealer Zeitpunkt, meine mittlerweile schon sehr bewährte Geh-Meditation auszupacken. - „Eins - zwei – drei, Einatmen, eins - zwei – drei, Ausatmen“ … Für jedes Einatmen drei Schritte, für jedes Ausatmen drei Schritte ... - Dieser Rhythmus bringt mich wieder in eine Stimmung der Ruhe und der Ausgeglichenheit. Gedanken kommen, Gedanken gehen ….. Ich denke an meine Familie, an die Freunde zu Hause .... Der Zeitpunkt rückt immer näher, an dem ich meine gewohnte Umgebung wieder genießen kann, …. der Winter kommt mir in den Sinn.... - Vorfreude auf das Schi fahren macht sich breit, … damit verbunden kommen alte Erinnerungen aus meiner aktiven Zeit als Rennläufer hoch ….. Meine Erfolge aber auch die Niederlagen kommen mir in den Sinn ...

 

Plötzlich werde ich durch lautes Hundegebell aus meinen Gedanken gerissen. - Als ich aufschaue, sehe ich schon drei Hunde auf uns zu laufen. Vor mir Johannes, mit seinen Wanderstöcken bewaffnet - und ich, schutzlos!

 

Ich hatte zuvor meine Stöcke an Otto verschenkt, da er seine in der Wartepause auf ein Taxi vergessen hatte. Als er den Verlust bemerkte, sind wir zwar sofort zurück zu dieser Stelle, leider war aber von den Stöcken nichts mehr zu sehen ... Da ich wusste, wie wertvoll die Stöcke für Otto sind, habe ich ihm meine geschenkt. Ich hatte sie beim Gehen ohnehin nie in Verwendung. - Otto und Johannes gehen nur mit Stöcken. Für mich waren die Stöcke nur als Waffe zur Verteidigung gegen streunende Hunde gedacht.

 

Tja, und jetzt, wo ich sie tatsächlich gebraucht hätte, hatte ich keine mehr .... ! Die Hunde waren uns mittlerweile gefährlich nahe gekommen, …. angriffslustig, wie ich noch keine Hunde zuvor gesehen habe. - Selbstbewusst spreche ich die Tiere an, versuche sie in ruhigem Ton  zu beruhigen … und Johannes hält sie mit seinen Stöcken auf Distanz. - Ich bat Johannes, mir die Hundeleine von Blacky, die ich hinten in meinem Rucksack zwecks Hundeverteidigung aufgehoben hatte, raus zu geben, damit ich nicht mehr ganz schutzlos war. - Dann überlegte ich kurz, ob es besser wäre, drohend die Leine zu schwingen oder bei meiner bewährten Methode des „gut Zuredens“ zu bleiben …

 

Ich wähle schließlich die zweite Möglichkeit. Da ich eigentlich vor Hunden keine Angst habe und ich jetzt durch die Leine auch einen gewissen Schutz verspürte, war meine Ausstrahlung wahrscheinlich noch angewachsen …. So konnten wir erreichen, dass sich die Hunde beruhigten und abzogen .... - Allerdings in Richtung Otto, der etwa dreihundert Meter hinter uns war und das Geschehen von Weitem  beobachtet hatte. - Als die Hunde nunmehr den allein stehenden Otto entdeckten, erwachte die Angriffslust der Tiere aufs Neue und los ging es mit Gebell, direkt auf Otto zu. - Als wir sahen, dass Otto nur mehr wild mit den Stöcken um sich schlug und so richtig in Bedrängnis kam, bewegten wir uns sofort auf ihn zu. Da wir nicht laufen wollten, va. um die Situation zu beunruhigen, hat das etwas länger gedauert .... Aber es hat funktioniert! Wir konnten die Hunde beruhigen und sie sind schließlich wieder abgezogen.

 

Das war tatsächlich eine furchterregende Situation, die aber Gott sei Dank gut ausgegangen ist. Jedenfalls für mich eine neue Erfahrung, wie ich sie noch nie vorher erlebt habe. Am Ende haben auch wir uns wieder beruhigt und konnten so wieder in  gewohnter Weise unseren Weg fortsetzen.

 

Und weiter ging es von Konya nach Kasinhani, weiter nach Cumra, Arikören bis nach Süleymanhaci.

 

 

Für diese Strecke brauchten wir zweieinhalb Tage; wir schafften dabei ca. 72 Kilometer. Am 16. Oktober trafen wir um 08.45 Uhr einen Bauern, der sich uns als Bayram vorstellte.

 

 

Bayram arbeitete lange Zeit in Deutschland und sprach deshalb perfekt Deutsch. Als wir ihm erklärten, was wir machen und wohin wir gehen, versprach er, uns mit dem Traktor nach Madensehri zu bringen. Da ein Traktor entsprechend unseren selbst verfassten Richtlinien zu den erlaubten Transportmöglichkeiten zählt, haben wir sein Angebot gerne  angenommen. Wir hatten allerdings nur eine kleine Schwierigkeit zu lösen. Wir mussten aus dem Dorf Süleymanhaci raus,  ohne von Bayrams Vater gesehen zu werden. Er hätte seinem Sohn nicht erlaubt, mit drei Pilgern 15 Kilometer weit spazieren zu fahren ....

 

 

Für uns waren das aber sehr wertvolle Kilometer, da wir dadurch am Abend Karaman erreichen konnten. Die Fahrt aus dem Dorf heraus war zwar etwas umständlich, aber wir sind schließlich ungesehen weg gekommen. Die Strecke nach Madensehri war dann eine reine Erlebnisfahrt,

 

 

geprägt von einer wunderschönen Landschaft! Das Wetter war zwar nicht gerade optimal, aber es waren immer wieder Sonnenstunden dabei. Einmal schaute es aus, als ob es gleich stark zu regnen beginnen würde, … und das zu diesem Zeitpunkt, wo es überhaupt nicht in unser Konzept gepasst hätte. - Aber siehe da, schon kommt ein wenig Wind auf und verbläst alle Wolken, …. und wir hatten wieder Sonnenschein ….

 

Mittlerweile sind wir schon in der Nähe von Madensehri, wo es die bekannte „1001 Nacht Kirche“ zu besichtigen gibt; eine tolle Sehenswürdigkeit mitten in einem kleinen Bergdorf zwischen Konya und Karaman. - Paulus soll hier in den Jahren 46 bis 48 bei seiner ersten Missionsreise, die er mit Barnabas unternahm, durchgereist sein (Apostelgeschichte 13-14); über Zypern gelangten sie dann nach Antiochien in Pisidien, weiter nach Ikonien bis nach Lystra und Derbe. - Wir sind gerade in Lystra, haben dort außer ein paar großen kunstvoll behauenen Steinblöcken aber nichts entdeckt, das auf Lystra hindeuten konnte.

 

 

Recherchen von Johannes ergaben, dass nicht bewiesen ist, wo Lystra und Derbe genau liegt. Wir haben Informationen, das Derbe in der Nähe von Madensehri sein soll. Als wir zu einer Straßenkreuzung kommen, zeigt ein Wegweiser nach links, „1001 Kilise“. Wir  waren daher schon voller Erwartungen. - Doch ganz unerwartet entscheidet Johannes, „zurück, zurück, wir müssen rechts ...“. - Bayram bremst sein Gefährt ein, Retourgang -  und zurück ... Wir wussten nicht, was Johannes vor hatte ... aber Johannes war auf GPS-Empfang und hatte Kenndaten für Derbe eingegeben. So haben wir uns von dem Gerät führen lassen, bis schließlich die Anzeige kam, dass wir im Zentrum von Derbe sein sollten  …. - Nur, von einem Derbe war weit und breit nichts zu sehen .... - Lediglich ein paar Bauernhäuser fanden sich in der Nähe. Dort fragten wir nach „Derbe“, blickten aber nur in verwunderte Gesichter. Schließlich erfuhren wir aber doch von einem Ort namens „Dele“, der ca. zwei Kilometer weiter oben sein sollte. So fuhren wir weiter, wie uns geraten wurde, und - siehe da, wir kommen in ein kleines Bergdorf mit Bauernhäusern, das inmitten alter Kulturstätten lag, die teilweise noch gut erhalten sind.

 

 

Es gelang uns, mit einer Frau aus dem Ort zu sprechen. Auf Befragung, ob manchmal Besucher hierher kommen, teilt sie uns mit, dass früher öfter Geologen vom Ministerium vorbei gekommen sind …. und dass die Bewohner angewiesen wurden, nichts an den alten Gemäuern zu verändern. Auch könnte es sein, dass sie ausgesiedelt werden ...

 

 

Das alles deutet natürlich darauf hin, dass es sich hier tatsächlich um ein großes Kulturgut handelt. Wir waren uns daher sicher, dass wir das Derbe gefunden hatten, das in der Bibel beschrieben ist. Ob es wirklich stimmt oder nicht, wird sich in der Zukunft sicherlich noch zeigen. Wir waren jedenfalls von diesen Stätten so beeindruckt, dass wir dort noch einige Zeit verweilten, obwohl wir schon unter Zeitdruck standen.

 


 

Nachdem wir Fotos gemacht hatten, verabschiedeten wir uns von der Frau, die uns so sehr behilflich war. Wir stiegen wieder auf den Traktor und weiter ging es zur „1001 Kilise“. Im Ort Madensehri angekommen, lernten wir den Bürgermeister kennen, der uns in sein Haus zum Essen eingeladen hat.

 


 

Eine solche Einladung dürfen wir natürlich nicht ausschlagen. Bald saßen wir in einer netten Gruppe am Boden und genießen so unser Mittagessen. Die Zeit verging natürlich wieder viel zu schnell, aber wir mussten weiter ... Wir wollten ja noch die „1001 Nacht Kilise“ besichtigten und auch Fotos sollten wir noch machen. Überdies war es unser Bestreben, auch Karaman noch zu erreichen. Wir bedankten und verabschiedeten uns daher recht bald vom Bürgermeister und seiner Familie und brechen auf zur „1001 Nacht Kilise“. - Nach einer halben Stunde hatten wir unsere Fotos und auch die Besichtigung ist nicht zu kurz gekommen.

 

Da wir schon sehr viel Zeit verbraucht haben, baten wir Bayram, uns noch sieben Kilometer in Richtung Hauptstraße zu fahren, die nach Karaman führt. Bei der Kreuzung haben wir uns dann von ihm verabschiedet und uns selbstverständlich mit einem nicht zu kleinem „Dieselgeld“ erkenntlich gezeigt. Bayram war für uns eine große Hilfe und sehr wertvoll, da wir ohne ihn nicht so viel gesehen und auch Karaman an diesem Abend nicht mehr erreicht hätten.

 

Nach der Kreuzung mussten wir dann noch ca. fünf Kilometer gehen und haben dann den ersten Bus genommen, der nach Karaman gefahren ist. Dort angekommen sind wir von einer Lehrerin durch die Stadt Karaman zum Busbahnhof geleitet worden,

 

 

wo wir gleich einen passenden Bus in Richtung Konya gefunden haben.

 

Johannes und Otto sind in der Nacht noch weiter nach Manavgat gefahren. Manavgat liegt an der Südküste der Türkei. Genau dorthin sind die Eltern von Johannes gereist, um die dritte Garnitur Schuhe zu bringen. Auch die Fotos und Daten, die sich angesammelt hatten, konnten so auf dem eigens mitgebrachten Laptop gesichert werden. Ich selbst blieb während dieser Zeit in Konya und besichtigte verschiedene Sehenswürdigkeiten. Eine davon war die Paulus-Kirche, in der ich auch einer italienischen Messe beiwohnen durfte. Seither bereichert ein Kirchenstempel der Paulus-Kirche in Konya meinen Pilgerpass. Am meisten freute ich mich über einen kleinen Prospekt betreffend Paulus, den ich dort erhalten habe.Darin enthalten war ein aus meiner Sicht sehr wertvoller Spruch und viele Informationen über den Apostel Paulus.

 


 

Am Montag den 18. Oktober bin ich dann gemütlich und ohne Stress mit dem Bus wieder zurück nach Karamann, wo ich ein Hotelzimmer für meine Pilgerfreunde und mich organisierte habe. - Johannes und Otto kamen ja erst um Mitternacht von der Südküste zurück nach Karaman. Wir hatten vor, am Dienstag wieder auf unserer Pilgerroute weiter zu wandern. - Ja, liebe Freunde, genau so können Pilgertage aussehen ….., abwechslungsreich, interessant, anstrengend, …. oftmals sehr improvisiert und spontan …., jedenfalls aber unvergesslich.

 

 

Von Karaman sind wir dann in Richtung Mut aufgebrochen. Dabei mussten wir einen Pass in 1650 Metern Seehöhe überwinden.

 

Persönliche Betrachtung:

 

20. Oktober 2010, 14.30 Uhr:

Wir wandern von Karaman in Richtung Mut und überwinden dabei den Pass „Sertavul Gecidi“ in 1650 Metern. Das Wetter war anfangs regnerisch. Als wir aber in die Nähe des Passes kamen, wurde es besser, die Temperatur immer angenehmer. Die prachtvolle, wunderschöne Natur und wenig Straßenverkehr bewirken in mir eine sehr angenehme, ausgeglichene Stimmung. - Ich bin Teil der Natur ..., meine Gedanken sind ganz präsent beim Gehen. Die 17 Kilogramm Gewicht am Rücken scheine ich nicht mehr zu spüren, trotz teilweise 10-15 % Steigung.

 

Paulus kommt mir in den Sinn, die heilige Messe in Konya, der Folder, die überlieferten Worte aus seinem Brief an die Philipper (Phil. 2,2-5):

 

„Macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig, dass ihr nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei tut. Sondern in Demut schätze der eine den anderen höher ein als sich selbst. Jeder achte nicht nur auf sein eigenes Wohl sondern auf das der anderen.“

 

Ja, das ist Liebe pur und deckt sich vollkommen mit unseren Werten.

 

Im gleichen Atemzug kommen mir diese unsere Werte in den Sinn, die einen Beitrag für Frieden, Freude und Freiheit leisten sollen. So bin ich mir sicher, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

 

Wenn diese Werte tatsächlich gelebt werden, dann haben wir Frieden, dann haben wir Freude und wir haben Freiheit auf Erden.

 

In diesem Sinne bete ich mehrmals unser Friedensgebet und spüre die vollkommene  innere Ruhe und tiefen Frieden. „Friede sei mit dir und Friede sei in dir“, das ist es, was wir uns wünschen. Ist der Friede in uns, so ist auch Frieden auf Erden ….

 

„Lieber Gott, Vater unser im Himmel, geheiligt ist dein Name, im Himmel und auf Erden. Lieber Vater, bitte schenke uns Frieden, bitte schenke uns Freude und bitte schenke uns Freiheit auf Erden. - Amen.

 

Gegrüßt seid ihr Heiligkeiten im Himmel, verehrt werden Eure Namen im Himmel und auf Erden. Bitte unterstützt uns im Frieden, bitte unterstützt uns in der Freude und bitte unterstützt uns in der Freiheit auf Erden. - Amen.

 

(persönliche Anrufungen, ganz individuell)

Wir rufen Jesus Christus, Sohn Gottes. Bitte unterstütze uns!

Wir rufen die heilige Maria, Mutter Jesus. Bitte unterstütze uns!

Wir rufen die heilige Mutter Theresa. Bitte unterstütze uns!

Wir rufen den heilige Paulus von Tarsus. Bitte unterstütze uns!

Wir rufen Erzengel Michael. Bitte unterstütze uns!

Wir rufen Erzengel Metatron. Bitte unterstütze uns!

Wir rufen alle Engel und Erzengel im Himmel. Bitte unterstützt uns!

Wir rufen alle Heiligkeiten im Himmel. Bitte unterstützt uns!

Wir rufen alle Heiligkeiten auf Erden. Von Ost bis West, von Nord bis Süd. Bitte unterstützt uns!

 

Gegrüßt seist du Maria, Mutter Jesu, bitte, bitte für uns um Frieden auf Erden, bei Gott unserm Vater! - Amen."

 

So in Gedanken versunken, habe ich vollkommen die Zeit übersehen und wir hatten unser Tagesziel erreicht ....

 

Am 21. Oktober 2010 kamen wir an einen kleinen Ort, an dem uns geraten wurde, uns unbedingt die „Alahan Kilise“ anzusehen. - Da die Kirche aber vier Kilometer abseits unserer Route lag und es auf dem Weg dorthin sehr steil nach oben geht, beschlossen wir, uns entsprechend Hilfe zu organisieren. Wir fanden schließlich einen Motorradfahrer, der uns einzeln zur Kilise brachte. Vier Kilometer rauf, vier Kilometer runter, da ist man schon einige Zeit unterwegs ....  Johannes ist als erster gefahren. Dann hat der sportliche Motorradfahrer mich geholt. Als ich oben war, ist Johannes mit ihm wieder zurück gefahren. Nach mir war Otto an der Reihe. Es blieb genug Zeit, diese hoch interessante Kulturstätte zu besichtigen und interessante Fotos zu machen.

 



 

Trotz den Besichtigungen sind wir noch rechtzeitig nach Mut gekommen, von dort weiter  Silifke. Etwa zehn Kilometer vor Silifke kamen wir bei einem Denkmal vorbei, das an Barbarossas Tod und das Ende des 3. Kreuzzuges erinnert.

 

 

Es war bereits vollkommen dunkel, als wir in Silifke angekommen sind. Wir ließen uns sofort mit einem Taxi zu einem Hotel bringen, womit wieder einmal ein wertvoller und wunderbarer Pilgertag seinen Abschluss fand. - Schönes Wetter, angenehm warme Temperaturen und eine wunderbare Landschaft begleiteten uns dabei.

 

Am 25. Oktober am Vormittag haben wir uns von einem Taxi flussaufwärts fahren lassen, um die Stelle zu suchen, an der Kaiser Friedrich I „Barbarossa“ („Rotbart“) ertrunken sein soll. Wir wurden fündig und machten auch von diesem Ort ein Foto.

 

 

Am Nachmittag kamen wir in den Genuss eines ganz besonderen Service: Der Chef  unseres Hotels bot sich an, uns mit seinem Auto zu sehenswerten Kulturstätten rund um Silifke zu bringen. Dieses Angebot nahmen wir natürlich voll Freude an. So lernten wir Sehenswürdigkeiten kennen, die wir alleine nie gefunden hätten.

 

 

Ja, so ist es im Leben! - „Wenn´s läuft, dann läuft´s“, sagt ein altes Sprichwort. Wir hatten und haben absolut das Gefühl, dass es bei uns so richtig läuft! Wir sind sehr dankbar und glücklich, dass wir das alles erleben und sehen dürfen.

 

Von Silifke sind wir am 26. Oktober weiter nach Erdemli, Mersin und Tarsus, wo schließlich die nächste große geschichtsträchtige Stadt auf uns wartete. - Am 29. Oktober haben wir dann Tarsus erreicht; jene Stadt in der Paulus geboren wurde und von wo aus er das Christentum in drei ausgedehnten Missionsreisen verbreitet hat.

 

 

Viele Ausgrabungen werden in Tarsus durchgeführt; dabei wurde auch eine großer Teil  einer Römerstraße freigelegt.

 

 

Weiters haben wir in Tarsus die Paulus-Kirche, den Paulusbrunnen und auch die Fundamente jenes Hauses, in dem Paulus angeblich aufgewachsen ist, besichtigt. Mit dem Taxi haben wir uns auch noch zur „Siebenschläferhöhle“ bringen lassen …...

 

Zurück nach Tarsus ging es dann ebenfalls wieder mit dem Taxi. Am 30. Oktober ging die Reise weiter nach Adana. Auf dem Weg dorthin haben wir.eine Obstverwertungsfirma besucht und sind auch bei einer Mandarinen-Ernte vorbei gekommen.

 

 

In Adana selbst war für Sonntag, den 31. Oktober 2010, unser Ruhetag geplant. - Für mich aber kam es anders; und darüber möchte ich gesondert berichten ....

 

Persönliche Betrachtung:

 

Wir schreiben nun bereits den 2. November 2010; ich befinde mich derzeit sieben Autostunden von unserer Pilgerroute und meinen Pilgerkollegen entfernt. Es ist 11.30 Uhr und ich warte am Busbahnhof in Ankara auf jenen Bus, der mich um 13.00 Uhr wieder zurück nach Adana bringen soll ....

 

Aber nun kurz zu der versprochenen Geschichte: Vor etwa zwei Wochen hat mich mein Sohn angerufen und mir mitgeteilt, dass die Banken bereits nervös werden und er mit seiner Generalvollmacht, die wir noch vor meinem Abmarsch verfassen ließen, verschiedene Handlungen nicht umsetzen kann. Ich müsse daher eine neue Vollmacht auf der Botschaft in Ankara unterschreiben. - Aus diesem Grund habe ich binnen kürzester Zeit organisiert, dass ich nach Ankara komme, um dort das alles entsprechend zu erledigen. Um keine „Pilgerkilometer“ zu verlieren, habe ich den freien Sonntag am 31. Oktober dafür genutzt, um bereits an diesem Tag die Strecke von Gökceli (25 Kilometer südlich von Adana) nach Karatas zu gehen, die Johannes und Otto erst heute gehen.

 

Ich bin gestern nachts um 23.30 Uhr mit dem Bus ca. 500 Kilometer nach Ankara gefahren und dann um 06.30 Uhr früh in der Stadt angekommen. Bereits um 08.00 Uhr war ich in der Botschaft. Nachdem diese um 09.00 Uhr geöffnet hat, unterschrieb ich die Vollmacht, die sodann vom Botschafter beglaubigt wurde. - Und schon um 10.00 Uhr war alles erledigt …. ! Und dann noch schnell ein Foto auf der Atatürk Bulvari, wo sich das Botschaftsgebäude befindet ....,

 

 

…. hinein in die U-Bahn und zurück zum Busbahnhof, wo ich nun im Internet-Café diesen Text schreibe. Für 13.00 ist die Abfahrt geplant, um 20h werde ich wieder in Adana sein .... Mein Zimmer dort habe ich bereits gebucht, so dass ich am 3. November in der Früh in Ruhe mit dem Bus nach Karadas weiter fahren kann. Diese Strecke bin ich ja schon gegangen …, somit brauche ich kein schlechtes gewissen zu haben, dass ich Kilometer „geschenkt“ bekommen würde.

 

Mein Ziel ist es, dass ich am Mittwoch zwischen 10.00 und 11.00 Uhr in Karadas bin, wo ich wieder auf meine Pilgerkollegen treffe, um dann gemeinsam mit einem gecharterten Fischerboot weiter nach Iskenderun zu fahren

 

So hatten wir es jedenfalls geplant …. ! - Wie es klappen wird, würden wir spätestens morgen sehen. Ja, auch so können Pilgertage aussehen ... Das hat zwar nichts mit Pilgern  zu tun, muss aber auch erledigt werden.

 

 

Adana, 22.00 Uhr.

Ich sitze wiederum im Internet-Café ….. aber beschreibe nunmehr eine ganz neue Situation: Im Bus von Ankara nach Adana bekam ich unerwartet von Otto einen Anruf, in dem er mir mitteilte, dass alles anders läuft, als geplant … Der Preis für das Fischerboot ist zehn mal höher als ursprünglich vereinbart! - Damit fällt das Fischerboot im wahrsten Sinne des Wortes für uns buchstäblich ins Wasser! Wir werden daher, wie es sich für echte  Pilger gehört, zu Fuß gehen …...

 

Johannes und Otto werden daher morgen früh wieder nach Adana kommen, von wo aus wir dann gemeinsam weiter wandern werden. - Aber, diese 44 Kilometer, die wir ja schon Richtung Süden nach Karadas gewandert sind, werden wir unserem „Pilgerkilometer-Konto“ gut schreiben! Diese „Bonuspunkte“ werden wir in Richtung Osten einlösen, indem wir fallweise den Bus verwenden.

 

Am 3. November um 10.00 Uhr sind dann also Otto und Johannes von Karatas zurück gekommen; wir hatten als Treffpunkt die alte Steinbrücke in Adana vereinbart.

 

 

So können wir ab jetzt wieder gemeinsam unserer geplanten Pilgerroute folgen. Auf der einen Seite macht oftmaliges Improvisieren einen Weg zwar sehr abwechslungsreich, auf der anderen Seite kostet das aber auch sehr viel Kraft und Zeit.

 

Denn, unser Ziel vor Augen, am 24. Dezember in Bethlehem vor der Krippe zu stehen, erlaubt uns nur wenig Spielraum. Wir müssen daher immer sehr genau kalkulieren, ob wir uns wieder etwas von den vielen Kulturangeboten ansehen wollen oder nicht. - Aktuell sieht unser Zeitspiegel allerdings noch recht gut aus, es warten aber auch noch eine Menge Sehenswürdigkeiten in der Türkei, in Syrien und Jordanien auf uns. Wir sind jedenfalls frohen Mutes und guter Hoffnung, dass wir noch viel sehen werden, um so unsere Pilgerwanderung weiter zu bereichern.

 

 

Von Adana nach Ceyhan, dann über eine Abkürzung (nach dem Kompass berechnet ...) in Richtung Küste. Diese Wegstrecke brachte uns in eine karge Gegend,

 

 

aber auch in eine Situation, in der wir wegen dichtem Gestrüpp nicht mehr weiter konnten und umdrehen mussten. Wie bestellt, pflügte soeben ein Bauer sein Feld … Er nahm uns   mit dem Traktor mit und brachte uns wieder zurück auf unseren Weg in Richtung Küste  …

 

 

Ein ganz besonderes Erlebnis: Die Dämmerung bricht herein, wir kommen gerade wieder auf die Hauptstraße, wo wir in einem Kohlewerk Pause machen durften und etwas zu Essen bekamen.

 

 

Beim Weggehen war es schon dunkel und wir konnten nur hoffen, dass wir bald eine Mitfahrgelegenheit finden würden. So wie es die Fügung will, dauerte es nicht lange, bis wir am Straßenrand zwei Motorräder stehen sehen …. das Licht der Fahrzeuge brennt und drei junge Burschen stehen davor. Wir begrüßen die Gruppe mit einem freundlichen „Merhaba“ und schon waren wir im Gespräch ….. Es dauerte auch nicht lange und wir konnten zu verstehen geben, dass wir eine Fahrgelegenheit in die nächste Stadt, nach Doertyol, suchen (ca. 25. Kilometerweiter der Küste entlang).

 

So schnell konnten wir gar nicht schauen, wie ein Junge sein Handy zur Hand nimmt und einen Anruf tätigt. Ebenso plötzlich war ein Auto zur Stelle und brachte uns in die Stadt. - Eine total improvisierte Handlung, die von Erfolg gekrönt war. …. Ja, wie wir immer sagen,  „wenn´s läuft, dann läuft`s ....“.

 

Wir haben dann noch unser Hotelzimmer bekommen und für ein Abendessen blieb auch noch Zeit.  …. Wieder ist ein erlebnisreicher Tag zu Ende gegangen, voll mit wunderbaren Erlebnissen, die man einfach aufschreiben muss.

 

Danke an alle unsere kleinen unsichtbaren Helferlein!

 

Am nächsten Tag sind wir wieder zurück zu der Stelle, wo wir ins Auto gestiegen sind; die Wanderung geht weiter .... durch Mandarinen- und Orangenplantagen … permanent versorgt mit Geschenken  …. frisch gepflücktes Obst versüßt unsere Pilgerschaft ....

 


 

Wir wurden auch eingeladen, bei den Erntearbeiten mitzuhelfen ....

 

 

Das schönste Erlebnis für mich war, als wir bei einem unbeschrankten Bahnübergang  standen, als ein Frachtzug kam. Wir machten unser gewohntes Autostopp-Zeichen, allerdings nur zum Spaß … Wahrscheinlich könnt ihr euch schon vorstellen was kommt …: Plötzlich stoppt der Frachtzug, der zu diesem Zeitpunkt ganz langsam gefahren ist, und nimmt uns mit! Nach etwa fünf Kilometern ist die Fahrt allerdings vorbei, da hier Endstation war. Ein wunderbares Ereignis, wie wir es noch nie zuvor erlebt hatten.

 

So kamen wir nach Iskenderun, Belen und zu einem Pass von 750 Metern Seehöhe. Wiederum wagten wir eine Abkürzung über Oliven-Plantagen. Diesmal brachte sie uns aber eine Einsparung von gut fünf Kilometern. Zusätzlich wurden wir mit wunderbaren Ausblicken und einer einmaligen Naturlandschaft belohnt.

 

 

Nachdem wir Kirikhan erreicht hatten sind wir schließlich am 6. November bei Dunkelheit in Antakya angekommen.

 

Antakya gilt als die Wiege des Christentums; jener Ort, wo Paulus und Petrus sich getroffen und wichtige Regeln für das junge Christentum aufgestellt haben. Deshalb wird Antakya, damaliges Antiochien am Orontes, als die Wiege des Christentums bezeichnet.

 

 

Angeblich liegen unterhalb der Stadt Antakya noch verborgene Schätze. Keiner weiß genau davon, …. aber es besteht Grund zur Vermutung … Vieles ist schon ans Tageslicht gekommen aber der Großteil wird wohl für immer verborgen bleiben …

 

Eine der prächtigsten Sehenswürdigkeiten ist die „Petrus Kilise“, die als älteste christliche Kirche der Erde gilt. Hier soll Paulus erstmals gepredigt und seine Missionstätigkeit begonnen haben. Selbstverständlich haben wir auch diese Kirche besichtigt.

 

 

Wir hatten auch noch das Glück, dass wir gemeinsam mit einer amerikanischen Reisegruppe in der Paulus-Kirche einer heiligen Messe beiwohnen durften. Nachher wurden wir zu einer kleinen Jause und zu einem Umtrunk eingeladen ....

 

 

In Antakya sind wir nun nur noch zwei Tagesetappen von Syrien entfernt. Nach den Besichtigungen in Antakya starten wir am 9. November die erste Teilstrecke bei viel Staub und wenig ansprechender Umgebung. Das Wetter und die Temperatur ist für Pilger allerdings ideal, … sonnig, … nicht zu heiß und nicht zu kalt ... Auch der zweite Tag war ähnlich wie der Vortag …  so erreichten wir am 10. November 2010 um 14.00 Uhr die Grenze.

Wieder ist ein Abschnitt auf unserer Reise zu Ende gegangen, voll von Erlebnissen, Eindrücken und Erfahrungen, die unser Leben sehr bereichern.

Das Ende, oder besser gesagt – das Ziel unserer Reise, rückt damit immer näher!

Die Freude auf den Tag, an dem ich meine Frau und meinen Enkel Luca wieder sehen werde. ist riesengroß. Die beiden werden mich am allerletzten Teil der Pilgerstrecke von Bethlehem nach Jerusalem begleiten. Die Vorfreude ist so enorm, dass ich Freudentränen in den Augen habe … Ich verspüre tiefe Dankbarkeit, dass ich das alles erleben darf.

Mein Wunsch ist groß und meine Bitte aufrichtig, dass wir alle gesund ans Ziel kommen, dass wir alles so erleben dürfen, wie wir es uns gewünscht haben.

Damit beende ich meinen nunmehr vierten Bericht und sage Danke allen, die mit uns mit einem wundersamen Band der Liebe verbunden sind..... Mein Dank gilt vor allem aber auch unseren unsichtbaren Beschützern, die uns begleiten.

 

Fotos und weitere Informationen findet ihr unter www.jerusalemweg.at.
Über einen Gästebucheintrag würden wir uns sehr freuen.

Euer Pilger David

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Kontakt:

David Zwilling, Johannes Aschauer und Otto Klär

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