Weitere Informationen und Bilder finden Sie unter www.jerusalemweg.at

 

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„Alles steht unter einem göttlichen Stern!“

 

 

„ …. für Frieden, Freude und Freiheit“

 

 

„Wir sind alle Kinder Gottes und damit Brüder und Schwestern auf Erden“

 

 

 

Der Weg nach Jerusalem

 

Wie das Leben so spielt (oder war es der sprichwörtliche „Zu-Fall“ ….), durfte ich bei einem Seminar in Kärnten dabei sein und konnte dabei Johannes Aschauer und Otto Klär kennen lernen .... - Als ich erfuhr, dass die beiden gemeinsam eine Pilgerreise zu Fuß nach Jerusalem unternehmen wollten und schon am 24. Juni 2010 Abmarsch sein sollte, bekam ich sofort eine Gänsehaut am ganzen Körper und reagierte spontan, "wenn ihr mich mitnehmt - gehe ich mit". - So begann unser gemeinsamer Weg nach Jerusalem.

 

Am 24. Juni 2010 sind wir dann in Arbing, in der Nähe von Perg in Oberösterreich, gestartet, um nach einer heiligen Messe in der Johanneskirche, ausgestattet mit dem Pilgersegen, zu Fuß nach Jerusalem zu pilgern.

 

Es stimmte uns sehr glücklich, unter unserem gemeinsamen Motto, „für Frieden, Freude und Freiheit“, einen kleinen Beitrag genau dafür leisten zu dürfen. Unser großer Wunsch ist es, am 24. Dezember 2010 in Bethlehem anzukommen.

 

1. Bericht

 

Wir sind nun bereits seit etwa drei Monaten unterwegs und haben in dieser Zeit schon sehr viel erleben dürfen.

 

Besonders spannend für uns ist immer die Pilger-Quartier-Suche am Abend. Dabei haben wir schon so ziemlich alles erlebt; von der Unterbringung bei Freunden, in Klöstern, in Privatquartieren bis hin zur Nächtigung bei bis dahin völlig fremden Menschen, die wir auf der Straße angesprochen haben …. Auch Jugendherbergen, Seniorenheime, Pflegestationen, Pensionen und Zwei- oder Drei-Sterne-Hotels waren dabei, ebenso wie Frachtschiffe und das eigene Zelt.

 

 

 

Persönliche Betrachtung:

 

Wenn ich jeden Tag so um die 30 Kilometer gehe, mit 15 bis 17 Kilogramm am Buckel, und das bei 35 bis 38 Grad Celsius im Schatten, kommen mir natürlich sehr viele Gedanken in den Sinn. Da ist für mich immer sehr hilfreich, wenn ich meine Geh-Meditation auspacken kann.

 

„Eins - zwei – drei Schritte, Einatmen, eins - zwei – drei Schritte, Ausatmen“ ... und das immer und immer wieder ... Ja, auf diese Weise komme ich in die Stille, gelange in die totale Ruhe. Ich bin getragen von der Energie der Erde: „Eins - zwei – drei, Einatmen“ - Energie von der Erde aufnehmen ... und … „eins - zwei – drei, Ausatmen“ - die Energie der Erde wieder zurück geben ....

 

In dieser wunderbaren Stille kommen Gedanken an meine Familie hoch, an Freunde und vieles andere mehr. Ich lasse die Gedanken fließen, sie kommen und gehen, …. Auch so manche Träne bahnt sich ihren weg, ... Tränen voll Glück und Freude ….. vermischen sich mit Schweiß ….. Ohne die Tränen und den Schweiß wegzuwischen, setzte ich meinen Weg fort, … und „eins - zwei – drei, Einatmen, …. eins - zwei – drei, Ausatmen“ ....

 

 

Meinen Pilgerbrief mit den zwölf Werten und Wünschen, die von meinem Freundeskreis stammen, habe ich in meiner Tasche immer bei mir, auch die kleinen Begleitgeschenke, die ich erhalten habe. - Das alles gibt mir die nötige Kraft und Motivation, diesen Weg bis ans Ziel zu gehen, ja - gehen zu dürfen.

 

Bei großteils 30 bis 38 Grad im Schatten ist das Wandern oft sehr anstrengend und man gönnt sich nach eineinhalb bis zwei Stunden Gehzeit gerne eine Pause. - Tatsächlich, so in etwa läuft fast jeder Tag ab ... und das sechs mal in der Woche. Am siebten Tag aber „ist frei“: Wir besuchen eine Kirche, gehen in die Stille und sind dankbar, dass wir das alles erleben dürfen. Wir beten, zünden Kerzen an „für Frieden, Freude und Freiheit“ und leisten so vielleicht einen kleinen Beitrag genau dafür.

 

 

 

Ein besonderes einzigartiges Erlebnis

 

Am 4. September 2010 erreichten wir bei Jeniköy, an der Westküste der Türkei, in der Nähe von Troja das Meer. Dort haben wir auch über das Wochenende am Strand unser Quartier aufgeschlagen.

 

Die nun folgende Geschichte ist es mir wert, aufgeschrieben zu werden, da sie mit vielen Emotionen und wunderbaren neuen Erlebnissen verbunden ist:

 

Für mich war es neu, mein Zelt direkt am Strand aufzustellen ... Johannes und Otto haben sich einen provisorischen Windschutz gebaut. Nach einem guten Essen, frischen Meeresfischen, Bier und Raki, sind wir in unsere Behausungen geschlüpft und waren gespannt auf die erste Nacht. Schon beim Aufbau gesellten sich zwei Hunde zu uns,  denen wir unsere Streichel-Einheiten schenkten. Und genau das hat bewirkt, dass wir in der Nacht zwei Wachhunde für uns hatten, wir uns daher ganz wohl und sicher fühlen konnten.

 

Morgens, unmittelbar bei Sonnenaufgang, bin ich gleich ins Meer und wurde dabei von den zwei Hunden begleitet. Johannes und Otto haben zu diesem Zeitpunkt noch geschlafen. Nach einem gemeinsamen Frühstück haben wir über unsere Nachterfahrungen gesprochen und beschlossen, um 18.00 Uhr unsere Zelte wieder abzubrechen und den nächsten Ort aufzusuchen, um dort ein Hotel zu beziehen. Otto und Johannes haben sich hinter ihrem Windschutz sichtlich nicht wohl gefühlt. Für mich aber war meine Nacht im Zelt ein ganz besonderes und einzigartiges Erlebnis, das ich gerne wiederholt hätte. Aber das war leider nicht möglich ...

 

Jedoch mit der Abreise vom Meer ergab sich für meine beiden Pilger-Brüder und mich ein wunderbares Erlebnis, das ich Euch nicht vorenthalten möchte:

 

Wir verabschiedeten uns von den zwei Hunden und vereinbarten mit dem Restaurant-Besitzer, dass er uns nach ca. zwei Stunden an der Straße, die zur nächsten Ortschaft führt, mit seinem Auto aufnimmt und dann zum Hotel bringt. So gehen wir also los, die beiden Hunde hinter uns her ....

 

Ein Hund, „Chico“ gerufen, gehörte dem Eigentümer des Restaurants. Der zweite, ein schöner schwarzer Schäfer, hatte scheinbar keinen Besitzer. Sein Zuhause waren der Strand und das Meer, er war das sogenannte schwarze Schaf. Wir tauften ihn „Blacky“ und dadurch wurde er zu „unserem Hund“ …

 

Der Restaurant-Besitzer hat immer wieder nach seinen Hund gerufen, das hat diesmal aber alles nichts genutzt, denn die beiden Hunde sind immer hinter uns her gelaufen. - Zwischenzeitlich ist es dunkel geworden, die beiden Tiere waren immer noch bei uns. Dann, pünktlich nach zwei Stunden, wurden wir wie vereinbart abgeholt und zu unserem Hotel gebracht. Die Hunde blieben natürlich zurück.

 

Am nächsten Tag fuhren wir wieder zu der Stelle zurück, wo wir am Vorabend unsere Wanderung unterbrochen hatten, um von dort aus unsere Tagesetappe zu starten. Und, siehe da, Blacky wartete offensichtlich noch immer auf uns, aber von Chico keine Spur. - Blacky begrüßt uns mit seinem uns schon so vertrauten „Schwanzwedler“, mit dem er seine große Freude ausdrückte.

 

Richtig, ... ihr habt es sicher schon erraten ….., ab diesem Zeitpunkt waren wir zu viert unterwegs .... ! - Damit begannen für uns zwei Wochen voll mit schönen Erlebnissen und Abenteuern, aber auch eine Zeit der Ängste, in der so manch brenzlige Situation zu meistern war. Besonders dann, wenn unser neuer Begleiter sich dazu entschloss, etwa auf der Autobahn die Straße zu queren, ohne einen Blick nach rechts oder links zu werfen …... und er dadurch mehr als einmal die Autofahrer zu Vollbremsungen gezwungen und sogar Staus verursachte hat, weil er sich nicht mehr von der Stelle rührte .... - An die Leine genommen zu werden wäre für ihn unmöglich gewesen, da er ja nur die Freiheit kannte, …. und genau diese wollten wir ihm natürlich auch nicht nehmen; …. aber das wäre uns ohnehin gar nicht möglich gewesen ....

Auf diese Weise begleitete uns der treue Blacky viele hunderte von Kilometern: Von Jeniköy über die Berge nach Assos, von dort weiter mit dem Boot nach Ayvalik bis nach Dikili und weiter nach Candarli; dann wieder auf einem Fischerboot nach Aliaga und weiter über Menement nach Izmir, schließlich bis nach Kusadasi.

 

So haben wir ca. 300 Kilometer zurück gelegt und Blacky lernte gemeinsam mit uns viel Neues kennen. Wir erlebten Autobahnen und Straßen jeder Art, ebenso wie die wunderschöne freie Natur, vom Meer angefangen bis zu den Bergen. Wir genossen herrliche Fahrten mit dem Boot, erkundeten jeden Tag aufs neue Dörfer bis hin zu Großstädten. … Und jeden Morgen, an Orten wo wir übernachtet haben, wartete Blacky treu auf uns und wünschte uns mit einem besonders liebevollen „Schwanzwedler“ einen wunderschönen guten Morgen.

 

Eine 30 Kilometer langen Wanderung machte unserem Blacky jedoch zu schaffen; das war für ihn offensichtlich eine ganz neue Erfahrung und führte letztlich dazu, dass er sich einfach hinlegte und nicht mehr weiter gehen wollte …. wir wiederum kamen so zu Pausen, die wir gar nicht wollten oder eingeplant hatten ... - Da bei uns aber selbstverständlich immer auf das jeweils schwächste Glied Rücksicht genommen wird, war es klar, dass wir warten würden.

 

In Izmir bin ich dann mit Blacky zu einem Tierarzt gegangen, der mir Gott sei Dank bestätigen konnte, dass Blacky „ein guter Hund sei“ und etwa zwei bis zweieinhalb Jahre alt sein dürfte. Er war offensichtlich gesund, aber sehr müde und benötigte einfach nur eine Pause sowie entsprechende Vitamine .... So habe ich dann gleich eine Doppelpackung Vitamintabletten gekauft und begonnen, das edle Tier damit wieder aufzubauen. Da wir in Izmir sowieso ein paar Tage Pause machten wollten, passte das ganz genau ...

 

Aber, wie das eben in einer Großstadt schnell mal passieren kann, geht man leicht verloren .... So haben wir unseren lieben Blacky am zweiten Morgen plötzlich nicht mehr gefunden. Jedoch, welch freudige Überraschung …. ! - Am dritten Tag, als wir Izmir um 11.00 Uhr vormittags verlassen wollten, ist Blacky rechtzeitig um 10.45 Uhr wieder zu uns zurück gekehrt. Wir hatten absolut nicht mehr damit gerechnet und wollten schon ohne ihn weiterziehen ….. Die Begrüßungsszene war von allen Seiten her dementsprechend sehr herzlich, und sein „Schwanzwedler“ fiel diesmal besonders intensiv aus .....

 

Wir waren sehr glücklich, dass Blacky wieder bei uns war, obwohl uns natürlich schmerzlich bewusst war, dass irgendwann dennoch der Abschied kommen musste und wir „unseren Hund“ nicht mehr weiter mitnehmen könnten. - Jedenfalls zogen wir weiter, auf Blacky brauchten wir nicht mehr extra zu schauen, der war einmal bei mir, dann wieder bei Otto oder bei Johannes .... Sooft wir „aufgefädelt“ gingen, manchmal mit hunderten Metern Abstand, wartete er im Schatten bis jeweils der dritte Mann da war, begleitete diesen und lief dann wieder nach vorne.

Die Vitamintabletten und die Pause hatten ihm sichtlich gut getan .... Die Zeit verging und wir haben uns immer mehr an Blacky gewöhnt. - Schließlich erreichten wir ohne weitere Probleme Kusadasi, ….. wieder eine größere Stadt, in der man leicht verloren gehen konnte ..... Es war geplant, bis Montag früh in Kusadasi zu bleiben.

 

Am Montag Morgen, bei wunderbarem Wetter, beschlossen wir jedoch, uns selbst zu beschenken und gönnten uns einen zusätzlichen freien Tag. Wir sind daher nicht wie üblich weiter gewandert, sondern haben die wunderbare Atmosphäre am Strand und am Meer genossen. Daher war es uns auch möglich, Ephesus, eine der geschichtsträchtigsten Ausgrabungsstätten Asiens, zu besichtigen.

 

Diese Pause betrachteten wir als Geschenk für uns, da wir von der geplanten Gesamtstrecke (wir sind am 25. Juni 2010 von Oberösterreich aus gestartet) bereits die Hälfte bewältigt haben. Halb Österreich, Ungarn, Kosovo, Mazedonien und Griechenland liegen hinter uns. Seit gut vier Wochen befinden wir uns im asiatischen Teil der Türkei. Etwas mehr als 2400 Kilometer Wegstrecke haben wir bewältigt, noch vieles liegt vor uns. Unvergessliche Erlebnisse, interessante Erfahrungen, menschliche Begegnungen und wunderschöne Kulturdenkmäler warten noch auf uns.

 

 

 

Blacky ist noch immer bei uns, wir sehen ihn aber immer weniger. Von Zeit zu Zeit lässt er sich in der Nähe des Hotels blicken, dann ist er wieder weg. Wir beobachten ihn mit anderen Hunden, oder auch Hündinnen, und haben das Gefühl, dass er sich hier sichtlich wohl fühlt. Deshalb haben wir schweren Herzens beschlossen, am Dienstag, wenn wir Kusadasi verlassen, unseren treuen Weggefährten Blacky nicht mehr mitzunehmen, sondern in Kusadasi zurück zu lassen. - Abends sind wir in unser Stammlokal gegangen und haben uns ein gutes Abendessen mit Bier und Raki bestellt. Wir erkundigten uns nach „Blacky“, worauf man uns bestätigte, dass er vor einer Stunde noch hier war. Da wir ihn an diesem Tag noch nicht getroffen haben, kam in mir der drängende Wunsch hoch, den treuen Gefährten nochmals zu sehen. Auch jetzt noch, wo ich soeben in einem öffentlichen Internet-Café sitze und diese Zeilen schreibe, schießen mir Tränen in die Augen und dieselben Gefühle kommen wieder hoch ...

 

Doch zurück zu besagtem Abend in unserem Stammlokal. - Plötzlich und fast nicht mehr erwartet, taucht um ca. 23.30 Uhr plötzlich Blacky wieder auf, entdeckt uns und begrüßt uns mit einem wahren Freudensprung. Ganz selbstverständlich zeigt er uns seinen ihm eigenen „Schwanzwedler“, diesmal aber mit einer Intensität, wie ich sie noch bei keinem Hund gesehen habe .... - Blacky legt sich unter unseren Tisch, direkt zu meinen Füssen, ... und schläft ein. - Genau so bin ich dann bis zwei Uhr morgens mit ihm gesessen ….. Auf Grund einer unbekannte Anzahl an Bieren und Rakis, die ich schon genossen habe, war meine Stimmung schon etwas getrübt, so dass ich mich mit Tränen in den Augen schließlich um zwei Uhr morgens förmlich „davon schlich“, ohne meinen Blacky zu wecken ... Mit schlechtem Gewissen ging ich zu Bett, war mir aber trotzdem sicher, richtig gehandelt zu haben.

 

Für den Morgen war vereinbart, unser Frühstück auf der Dachterrasse einzunehmen. Mein erster Blick war sofort von der Dachterrasse nach unten, … „ob wohl Blacky hier sein würde …. ?“ - Und siehe da, er lag am Gehsteig vor dem Hotel und wartete offensichtlich auf seine Herrchen. Um ihn nicht zu beunruhigen, verhielt ich mich sehr zurückhaltend und schmiss ihm ein Stück Käse vom fünften Stock auf den Gehsteig …...  und …. wie es der Zufall so haben wollte .... treffe ich ihn genau am Kopf ….. Ein kurzer „Beutler“ und Blacky verschwindet hinter einem Balkonvorsprung ...... tja, und das war auch das letzte mal, dass ich meinen treuen Freund gesehen habe ....

 

Um 11h.00 Uhr haben wir dann das Hotel verlassen und sind Richtung Busbahnhof gegangen. - Blacky haben wir nicht mehr wieder zu Gesicht bekommen. Wer weiß, wie wir reagiert hätten, wenn er auf einmal wieder vor uns gestanden wäre ?!?! - Sein treuherziger Blick, sein berühmter „Schwanzwedler“ …. - Ich bin fast überzeugt, dass wir ihn wieder mitgenommen hätten. -

 

Abermals hat sich gezeigt: So wie es kommt, so ist es immer richtig! Blacky ist freiwillig mit uns gegangen und er ist auch freiwillig in Kusadasi geblieben. Wir wünschen ihm jedenfalls von Herzen, dass er in Kusadasi einen guten Platz findet; „seinen“ Platz, von wo aus er auch sein gewohntes Metier, das Meer erreichen kann. Und vor allem, er soll ein „freier Hund“ bleiben dürfen, um auch in Zukunft seine Freiheit mit all ihren Vorzügen und Nachteilen genießen zu können.

 

Schließlich fahren wir um 12.00 Uhr mittags mit einem Minibus von Kusadasi weiter bis nach Selcuk, von wo aus wir unsere Pilgerwanderung fortsetzen. Ich packe gleich wieder meine Geh-Medidation aus …. und  … „eins - zwei – drei, Einatmen, ….. eins - zwei – drei, Ausatmen“ … -  Meine Gedanken sind bei Blacky und ich bin glücklich und traurig zugleich.

 

 

All die unvergesslichen Erlebnisse, interessante Erfahrungen, menschliche Begegnungen und die wunderschönen Kulturdenkmäler die wir besichtigen durften, bleiben uns ganz sicher in ewiger Erinnerung.

 

 

2. Bericht

Wir schreiben nun den 23. September 2010; in guter Stimmung und unversehrt sind wir um etwa 21.00 Uhr bei Dunkelheit in Nazilli angekommen.

 

Der Weg, den wir bisher schon gehen durften, war jedenfalls sehr wertvoll und bereichernd. Die vielen Sehenswürdigkeiten, die wir besichtigt haben, Klöster, Burgen, Ruinen, Ausgrabungsstätten, Kirchen und Museen, ließen unser Herz sehr oft höher schlagen. Vor allem aber Gottes wunderschöne Natur in all ihren Facetten hat uns immer wieder sehr beeindruckt.

 

 

Als weniger schön empfanden wir die oft mit vielen Fahrzeugen aller Art hoch frequentierten Straßen. Endlos lange Kilometer auf nicht enden wollenden Geraden mit oder ohne Verkehr gehören bei so einem Weg aber dazu.

Stunden des Ausgleichs haben wir dafür immer wieder in der unberührten Natur, bei Wanderungen über Berge, durch Wälder, Wein- und Obstgärten, oder bei Fahrten mit dem Schiff übers Meer oder See gefunden.

 

Ja, so ist das Leben, entsprechend dem Grundgesetz der Polarität, „wo Licht ist – da gibt es auch Schatten“ .... Nur wer die Schattenseiten kennt, kann auch die Sonnenseiten in all ihrer Pracht erfassen und erst richtig genießen.

 

 

Persönliche Betrachtung:

 

Ich wandere bei 40 Grad im Schatten, es ist etwa 13.00 Uhr, die Sonne hat ihren höchsten Stand erreicht und spendet mir durch ihre Strahlen wertvolle Kraft. Meine Gedanken sind bei den "Werten":

 

Auf einem so langen Weg haben wir natürlich auch viel Zeit zum Nachdenken:

„Was war für mich bis jetzt das Wertvollste?“ - Ganz sicher gehören die vielen Gedanken und Inspirationen dazu, die in mir herangereift sind. Vor allem aber waren es auch die vielen Begegnungen mit den verschiedensten Menschentypen; Begegnungen mit Kindern, Männern, Frauen, armen und reichen, jungen, alten und sehr alten Leuten ...., Menschen verschiedenster Herkunft und Religionszugehörigkeit, Menschen aus allen möglichen Berufen; Ja, all das hat mich sehr beeindruckt.

 

Überwiegend wurden wir mit Offenheit, Freundlichkeit und herzlicher Gastfreundschaft empfangen; das reichte von einfachen Einladungen zum Essen und Trinken bis zum Angebot von Quartieren.

Ganz so als wären wir alle Brüder und Schwestern, wie wir es ja eigentlich auch sind bzw. sein sollten. Aber es tauchten immer wieder auch bedrückende Gedanken auf; Gedanken über das viele Unrecht und Leid auf diesem wunderschönen Planeten Erde. - So kommen mir, David, auch wieder die "Werte", die ich in meiner Tasche in Papierform mit mir trage, in den Sinn. Werte wie Friede, Freude und Freiheit auf unserer Erde, Werte die aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis heraus entstanden sind.

 

Meine Gedanken sind bei den "Werten":

 

Der Wert "Liebe"

Was verstehen wir unter Liebe? Ich stelle die Frage und erhalte meine Antworten.

 

Sobald wir uns in der Liebe befinden, leisten wir einen großen Beitrag für den Frieden. Wer in der Liebe ist, wird Erfolg, Glück und Zufriedenheit ernten. Liebe heißt, nicht um Verzeihung bitten zu müssen. Liebe bedeutet, die Größe zu haben, sich entschuldigen zu können, wenn wir Unrechtes getan haben. Liebe heißt, Menschen so zu verstehen und anzunehmen, so wie sie sind. Liebe bedeutet, Wertschätzung für den Anderen zu haben und auch auszudrücken. Liebe bedeutet aber auch Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens. …... Das ist Liebe.

 

Der Wert "Familie"

Was verstehen wir unter Familie? Ich stelle die Frage und erhalte meine Antworten.

 

Familie existiert in Form von Eltern, Kindern und den engsten Verwandten. Es gibt aber auch die Familie von Gleichgesinnten, die Familie die aus Freunden und Bekannten besteht. Die Basis einer Familie verlangt immer nach gegenseitigem Verstehen. Verbinden uns die gleichen Werte, so ist das die beste Basis für Frieden.

 

Der Wert "Freiheit"

Was verstehen wir unter Freiheit? Ich stelle die Frage und erhalte meine Antworten.

 

Frei zu sein in den Entscheidungen, freie Wahl des Berufes, freie Wahl der Religion, freie Wahl der politischen Einstellung. - Das ist für mich Freiheit.

 

Der Wert "Glaube"

Was verstehen wir unter Glaube? Ich stelle die Frage und erhalte meine Antworten.

 

Der Glaube kann aus dem Religiösen kommen, ich kann aber auch an etwas Bestimmtes glauben, ich glaube daran, dass ich etwas schaffen kann. Der Glaube ist die Urkraft, die Berge versetzt. Nur wenn ich daran glaube, kann ich etwas erfolgreich abschließen. Hingabe und Vertrauen machen Glauben erst möglich. - Das ist Glaube.

 

Der Wert "Hoffnung"

Was verstehen wir unter Hoffnung? Ich stelle die Frage und erhalte meine Antworten.

 

Über den Glauben schöpfe ich meine Hoffnung. Die Hoffnung beseitigt alle Hürden des Zweifels. Der Glaube ist die Basis für die Hoffnung.

 

Der Wert "Toleranz"

Was verstehen wir unter Toleranz? Ich stelle die Frage und bekomme meine Antworten.

 

Über die Toleranz stelle ich eine Gleichheit her und leiste dadurch einen Beitrag für den Frieden. Jeder Mensch hat seine ihm eigene Wahrheit und niemand hat das Recht diese Wahrheit anzuzweifeln oder gar zu bekämpfen. Mit dem Wert Toleranz können wir andere Meinungen gelten lassen.

 

Der Wert "Zusammenarbeit"

Was verstehen wir unter Zusammenarbeit? Ich stelle die Frage und erhalte meine Antworten.

 

Zusammenarbeit ist auf alle Fälle besser und effektiver als Alleinkämpfertum. Zusammenarbeit und Zusammenhalt innerhalb der Familie, im Freundeskreis oder in einer Region bildet die Basis für echte und positive Weiterentwicklung.

 

Der Wert "soziale Einstellung"

Was verstehen wir unter sozialer Einstellung? Ich stelle die Frage und erhalte meine Antworten.

 

Wird soziale Einstellung in der Familie sowie in Firmen gelebt und werden sozial schwächere Personen unterstützt, so ist das ein großer Beitrag für Frieden.

 

Der Wert "Verantwortung"

Was verstehen wir unter Verantwortung? Ich stelle die Frage und erhalte meine Antworten.

 

Wir haben die Verantwortung, ja die Pflicht, unser Handeln auf Nachhaltigkeit zu prüfen. Verantwortungsbewusstes Handeln für Mensch und Natur ist eine Grundvoraussetzung für Frieden.

 

Der Wert "Friede"

Was verstehen wir unter Frieden? Ich stelle die Frage und erhalte meine Antworten.

 

Friede sei mit dir ..., Friede auf Erden..., ich bin im Frieden.... Um Erfolg, Glück und Zufriedenheit erfahren zu können, ist innere Zufriedenheit eine Grundvoraussetzung.

 

Der Wert "Respekt"

Was verstehen wir unter Respekt? Ich stelle die Frage und erhalte meine Antworten.

 

Der Respekt und die Wertschätzung gegenüber unseren Mitmenschen ist eine wichtige Basis für den Frieden. Jeder Mensch hat ein Recht auf Respekt, bzw. ein Anrecht darauf, in seinem persönlichen So-Sein respektiert zu werden. Ignoranz ist demgemäß für den Menschen die größte Strafe.

 

Der Wert "Ehrlichkeit"

Was verstehen wir unter Ehrlichkeit? Ich stelle die Frage und erhalte meine Antworten.

 

Ehrlichkeit bedeutet nicht nur, die Wahrheit zu sagen, sondern vielmehr so zu sprechen, wie wir denken. Ehrlich ist auch, wenn wir so handeln wie wir denken. Mit seinen Gedanken vorurteilsfrei nach außen zu gehen und diese zu vertreten, ist ein weiteres Element der Ehrlichkeit für mich. Vor allem ist Ehrlichkeit auch die Basis für Authentizität.

 

 

Meine Gedanken fließen weiter, ich schreibe sie nieder, so wie sie kommen, prüfe die Zusammenhänge. Ich bin mir sicher, dass es Sinn macht, sich mit diesen Werten auseinanderzusetzen und sie zu verbreiten. So gehe ich weiter meinen Weg, setze einen Schritt nach dem anderen, packe wieder meine Geh-Meditation aus .... Auf meinen Mundwinkeln erscheint ein entspanntes Lächeln ... und „eins - zwei - drei, Einatmen, eins - zwei - drei, Ausatmen“ ... und das immer und immer wieder ...

Ich bete meinen "Vater unser", den ich für mich etwas abgeändert habe:

 

Wo es heißt, "führe uns nicht in Versuchung sondern erlöse uns von dem Bösen - Amen", bete ich, "führe uns durch die Versuchung und erlöse uns von dem Bösen - Amen" ... Ich glaube, dass eine Weiterentwicklung der Seele und des Geistes nur über die Herausforderung der Versuchung gehen kann. Erst in der Versuchung kann ich durch mein Handeln bewusste Entscheidungen treffen; mein Handeln prägt meine Erfahrungen, zieht neue Erfahrungen nach sich.

 

Nach dem "Gegrüßet seist du Maria" bete ich, "Lieber Gott, Vater unser im Himmel, geheiligt ist dein Name im Himmel und auf Erden. Lieber Vater im Himmel schenke uns bitte Frieden, schenke uns bitte Freude und schenke uns bitte Freiheit auf Erden - Amen. Heilige Maria Mutter Jesus, bitte für uns um Frieden auf Erden, bei Gott unserm Vater - Amen".

 

In diesem Sinne bete ich viele "Vater unser" und das stimmt mich glücklich. - Ich freue mich schon sehr auf die weiteren Tage und bin offen für alles was kommt.

 

So vergeht die Zeit ... und die Kilometer, die noch vor uns liegen, werden immer weniger. Meine Dankbarkeit ist groß, diesen Weg gehen zu dürfen.

 

 

Persönliche Betrachtung:

 

Es ist 14.00 Uhr, der 25. September 2010, wir gehen von Pamukören Richtung Pamukkale.

 

Es hat ca. 35 Grad Celsius und die Sonne schenkt uns wieder einmal die volle Kraft ihrer Strahlen. Eine kilometerlange Gerade und viel Verkehr wecken in mir wieder einmal den Wunsch, meine Geh-Meditation auszupacken. Mundwinkel auf Lächeln gestellt und „eins - zwei - drei, Einatmen, eins - zwei - drei, Ausatmen“ …

 

Die Gedanken fließen wieder und ich stelle mir die Frage:

 

Warum gehe ich diesen Weg?

Ich stelle die Frage ich erhalte meine Antworten.

 

Voriges Jahr rief mich Heidi Kalss, eine langjährige spirituelle Freundin von der Rosenburg im Kamptal, an und teilte mir mit, dass sie und Anna Maria gemeinsam mit einer Reisegruppe aus Gars am Kamp nach Jerusalem fliegen werden ... Ich antwortete ganz spontan, "wenn noch Platz ist, fliege ich mit ...".

 

So ist es gekommen, dass ich zwei Wochen später in Jerusalem war. Ich durfte mir dort viele interessante und geschichtsträchtige Plätze ansehen. Ich habe Eindrücke gewonnen, die ich nie mehr vergessen werde, da sie auf mich wirklich außergewöhnlich gewirkt haben. Am Ende der Reise haben wir noch in Haifa die "Gärten der Bahai" besichtigen können, die bei mir einen ganz besonderen Eindruck hinterlassen haben:

 

Die Schönheit dieser Gärten kann man nicht mit Worten beschreiben, das sollte man einfach sehen. Für mich waren die Bahai zu diesem Zeitpunkt vollkommen unbekannt und ich konnte mit diesem Wort absolut nichts anfangen. Als ich mich über die Bahai näher erkundigt habe, erfuhr ich, dass es sich dabei um eine Religion handelt.

 

Voller Begeisterung hinterfragte ich die Philosophie, die hinter dieser Religion steht. Ich spürte sofort die Parallelen zu meiner Denkweise. Vor allem entdeckte ich voller Glücksgefühl die Gemeinsamkeiten mit meinen "Zwölf Werten", mit denen ich mich in letzter Zeit immer intensiver beschäftigt habe. Unmittelbar tauchte in meinem Geist ein besonderer Wunsch auf und Bilder kamen in mir hoch: Ich sehe einen religionsübergreifenden und völkerverbindenden Werteweg für Frieden, Freude und Freiheit ....; einen Weg, auf dem Menschen aus verschiedensten Nationen und Glaubensrichtungen über die Gärten der Bahai zu Fuß nach Nazareth (wo Jesus aufgewachsen ist), weiter zum See Genezareth (wo Jesus gewirkt hat) nach Bethlehem (wo Jesus geboren wurde) bis zum „Goldenen Tor“ pilgern, um für den Frieden auf Erden zu beten.

 

Das „Goldene Tor“ ist eines der acht Tore der Altstadt Jerusalems. Es ist zugemauert und kann erst geöffnet werden, wenn die göttliche Energie des Messias auf Erden wieder kommt, um uns den Frieden zu bringen und das „Goldene Zeitalter“ auf Erden einzuleiten.

 

Ein schöner Traum, ein drängender Wunsch, der in mir fest verankert ist …

 

Damit kehren meine Gedanken zurück nach Kärnten, wo ich im Mai 2010 mit Baldur Preiml ein Seminar gemacht habe. Ich erinnere mich, als Baldur Besuch von zwei Männern bekam: Er steht mit ihnen bei seinem Auto. Ich, in meiner Neugierde, bin sofort dabei, sage kurz „Hallo“ und frage, "was verkauft ihr?". - "Wir verkaufen nichts, wir holen uns von Baldur Informationen, wir machen eine größere Pilgerreise", so die Antwort. - "Wo soll die Reise hingehen?"..., meine Neugier ist erwacht ....- "Zu Fuß nach Jerusalem" ... . Ich bekomme am ganzen Körper eine Gänsehaut und antworte: "Euch schickt der liebe Gott, wenn ihr mich mitnehmt, gehe ich mit".

 

Erst dann erfuhr ich, dass die beiden Johannes und Otto heißen und dass schon am 24. Juni 2010 Abmarsch sein sollte. - Jerusalem muss auf mich eine besondere Anziehungskraft ausüben, sonst könnte ich nicht so spontan Entscheidungen treffen, mit dem Flieger oder zu Fuße über 4500 Kilometer nach Jerusalem zu pilgern. Wobei der Werteweg von Haifa nach Jerusalem sicherlich der Auslöser war ... Nur so konnte ich den Entschluss so schnell fassen, diesen Weg von Österreich aus nach Jerusalem auch zu Fuße zu gehen.

 

Die Vision eines Wertewegenetzes auf bestehenden Wanderwegen oder Radwegen in den verschiedensten Ländern, in deren Regionen zu installieren, ist in meinem Geist ja schon seit mehreren Jahren vorhanden und nimmt immer konkretere Formen an, fügt sich zu einem immer deutlicheren Bild.

 

Damit komme ich wieder zurück auf meinen Pilgerweg, und „eins - zwei - drei, Einatmen, eins - zwei - drei, Ausatmen“ ….

 

Die Gedanken kommen, die Gedanken gehen, befinden sich in einem ständigen wunderbaren Fluss. - Ich bete meine "Vater unser" und freue mich schon auf die weiteren Tage, auf die vielen Kilometer, die auf mich warten und auf die vielen Wert(e)vollen Gedanken, die noch kommen und gehen werden.

 

Fotos und weitere Informationen findet ihr unter www.jerusalemweg.at.

Über einen Gästebucheintrag würden wir uns sehr freuen.

 

Der Weg nach Jerusalem, 3. Bericht

Heute ist Mittwoch, der 13.Oktober 2010; wir befinden uns gerade in der türkischen Provinzhauptstadt Konya. Die Stadt liegt auf 1.200 m Meereshöhe, etwa drei Autostunden (ca. 200 km) südlich von Ankara, bzw. ca. drei Autostunden nördlich der Mittelmeer-Küste.

Mit Konya haben wir bereits zwei Drittel der Wegstrecke hinter uns gelassen und sind nun in etwa schon 3.000 Kilometer gewandert. - Beständigkeit und viele, viele Schritte haben uns bis hierher gebracht.

Zwei Drittel unserer geplanten Wegstrecke bewältigt zu haben, sind Anlass genug, uns wieder einmal selbst zu beschenken: Wir gönnen uns daher einen zusätzlichen freien Tag, den wir zum Schreiben unserer Berichte nützen. Für 14.00 Uhr haben wir ein Taxi bestellt, das uns in das ca. 40 Kilometer entfernte Kilistra bringen soll. Diese Ansiedlung war bereits im zweiten Jahrhundert vor Christi Geburt besiedelt und später Zufluchtsort der früheren Christen Anatoliens.

Vom Ausflug zurück haben wir uns in einem guten Restaurant ein tolles Abendessen bestellt. Anschließend sind wir dann in ein türkisches Badehaus und haben uns mit einer „Ham Mam Massage“ verwöhnen lassen.

Es ist gerade 21.30 Uhr, wenn ich diese Zeilen schreibe. - Von Kilistra waren wir so sehr fasziniert, dass wir nicht mehr aus dem Staunen heraus kamen ….... Dieses wundervolle, uns selbst gemachte Geschenk, werden wir jetzt vor dem Schlafengehen noch mit einem kühlen Bier besiegeln.

Seit meinen letzten Bericht (ihr erinnert Euch, … wir waren am 25. September 2010 von Pamukören Richtung Pamukkale unterwegs) haben sich wieder sehr viele interessante Erlebnisse zugetragen und wunderbare Erinnerungen angesammelt:

Natürlich haben wir in Pamukkale auch die Sinterbecken und die Ausgrabungsstätten besichtigt; selbstverständlich sind wir in den Thermenbecken auch ins Wasser gegangen ....


 

Ein Erlebnis der besonderen Art:

Von Pamukkale sind wir dann weiter nach Denizli. Am Weg dorthin haben wir uns auch noch Laodikeia angesehen; wiederum eine ganz besondere Ausgrabungsstätte.

Schließlich sind wir weiter nach Dinar, über die Berge nach Isparta …..

. und von Isparta dann nach Egirdir ... Am Weg nach Egirdir sind wir bei vielen Obstplantagen vorbei gekommen. Da gerade die Ernte stattfand, hat man uns immer wieder auf frisches Obst eingeladen. Dabei sahen wir auch Transportmöglichkeiten der ganz besonderen Art.

Bei Dunkelheit angekommen, wurden wir in Egirdir bereits erwartet und ein reserviertes Zimmer stand bereit.

Für den nächsten Tag haben wir ein Fischerboot organisiert, das uns über den Mada Adasi vom südlichen zum nördlichen Seeufer hätte bringen sollen.

Wir haben diesen Weg gewählt, weil wir unbedingt auch nach Yalvac (früheres Psidian, lateinisch Antiochia) wollten, das leider außerhalb unserer Pilgerroute lag:

Für den Apostel Paulus hatte diese bemerkenswerte Stadt (damals Antiochia genannt) einen besonderen Stellenwert. Im Zuge seiner ersten und zweiten Reise hat er hier auch seine erste Predigt in einer Synagoge gehalten. Da wir uns auf unserer Reise ja auf den Spuren von Paulus und den Kreuzrittern bewegen, gehörte dieser Ort einfach dazu.

Es war geplant, dass wir uns durch die Fahrt mit dem Boot einige Kilometer ersparen würden; eine Strecke die wir nicht zu Fuß gehen müssten. Auch wollten wir dadurch wertvolle Zeit gewinnen.

Unser Treffpunkt war für den Morgen des 5. Oktober 2010 um 08.00 Uhr am Fischerhafen vereinbart. Wir wussten vorher nicht, welches Boot uns erwarten würde. Natürlich konnten wir am Vortag auch nicht erahnen, dass es an diesem Morgen heftigen Wind und Kälte geben würde.

Natürlich haben wir uns warm angezogen, als wir in der Früh bemerkten, dass es kalt und windig war. So ausgestattet und entsprechend vorbereitet trafen wir am Fischerhafen ein. Für die Fahrzeit mit dem Boot waren etwa fünf bis sechs Stunden eingeplant; als Preis wurden 25 Lire pro Stunde vereinbart. Die Rückfahrt musste natürlich auch eingerechnet werden, so sprechen wir von zehn bis zwölf Stunden die zu bezahlen waren.

Als wir das Fischerboot erstmals zu sehen bekamen, stiegen in uns schon gewisse Ängste und Befürchtungen auf, ..“ob uns dieses Boot wohl sicher über den See bringen könnte … ?!“ - Der Fischer selbst, der natürlich einiges gewohnt war, sah kein Sicherheitsrisiko, dafür aber ein Zeitproblem; dies vor allem auf Grund des starken Gegenwinds.

Trotz allem beschlossen wird, die Reise zu wagen und stachen in See. Nach einer Stunde Fahrt jedoch, es herrschte hoher Wellengang und die Gischt brauste über uns hinweg, trafen wir die Entscheidung, das Unternehmen doch noch abzubrechen. Wir gaben dem Fischer den Auftrag, uns bei nächster Gelegenheit an Land zu bringen, um dort wie gewohnt unsere Pilgerschaft auf dem Landweg fortsetzen zu können.

Dennoch hat sich durch diesen kurzen Abstecher auf dem Wasser unsere Tagesetappe zu unserem Ziel in Yalvac so weit verringert, dass wir nun die gesamte Strecke in zwei Tagen schaffen konnten. Dieser wahrlich sehr abenteuerliche und erlebnisreiche Ausflug auf den See wird für jeden einzelnen von uns in bleibender Erinnerung bleiben.

In Yalvac selbst haben wir uns dann in einem 2-Sterne-Hotel einquartiert. Für den kommenden Tag war die Besichtigung der dortigen Ruinen geplant. Die Ausgrabungsstätten von Yalvac, des früheren Psidian - Antiochia, sind noch sehr jung und werden von der Universität von Isparta mit fachlicher Unterstützung österreichischer Archäologen erforscht. Wir durften sogar selbst einen Pickel zur Hand nehmen und an den Ausgrabungen mitwirken.
 

Wiederum ein Highlight unserer Reise!

Von Yalvac ging es dann weiter nach Sarkikaraagac bis nach Hüyük und von dort über ein Hochplateau nach Yunuslar: Auf dieser Hochebene werden noch im Herbst frische Erdbeeren, sowie Obst und Gemüse aller Arten geerntet!

Verkostungen zum Nulltarif standen auf der Tagesordnung ….

In Yunuslar erreichten wir wieder die Hauptstraße, die direkt nach Konya führt. Da uns aber noch fünf Kilometer bis zur Hauptstraße fehlten und die Zeit schon sehr fortgeschritten war, entschieden wir uns zum Autostopp. Es dauerte nicht lange und ein Auto hielt an und brachte uns bis zu einer Tankstelle, die direkt an der Hauptstraße und einer Bushaltestelle lag; es war zu diesem Zeitpunkt etwa 17.30 Uhr, der 9. Oktober 2010. In kürzester Zeit fanden wir auch einen Bus, der uns nach Konya brachte. Auf diese Weise sind wir um 20.30 Uhr zu einem Hotel gekommen, in dem wir mehrere Nächte verbrachten.

Ja tatsächlich, genau so verläuft eine Pilgerreise, wenn alles gut geht! Wir sind dankbar und glücklich zugleich, dass wir so wunderbar geführt werden …... Und immer wenn es den Anschein hat, es käme ein Problem auf uns zu, „kommt von irgendwo ein Lichtlein her“, das uns weiter hilft!

 

 

Persönliche Betrachtung:

8. Oktober 2010: Abmarsch vom Hotel Korkusuz in Sarkikaraagac um 09.00 Uhr in Richtung Hüyük. Eine Etappe mit ca. 30 Kilometern liegt vor uns, wenig Infrastruktur ist zu erwarten. Wir wissen, dass wir in etwa zwei Stunden eine Tankstelle erreichen würden ….. und dann nichts mehr! Das Wetter zeigt sich windig und regnerisch, es ist kalt und hat bis auf fünf Grad Celsius abgekühlt. So marschieren wir in voller Regenbekleidung, in warme Unterwäsche verpackt. - Eintönig ..., ab und zu ein schöner Holzstappel.


Alles fühlt sich eintönig und monoton an …., es herrscht wenig Verkehr, das Wetter wie gesagt windig, kalt und regnerisch .... - Diese Umstände veranlassen mich wieder einmal meine Geh-Meditation auszupacken, … damit ich auf andere Gedanken komme:
 

Eins, zwei, drei Schritte – Einatmen, …. und ….eins, zwei, drei Schritte – Ausatmen“ ... Das, ständig wiederholend, bringt mich in eine Stimmung, in der ich die schlechte Witterung nicht mehr bewusst wahrnehme. In Gedanken bin ich bei unserer Reise ....: Ich sehe die vielen freundlichen Gesichter die uns begrüßen, wo wir hinkommen; sehe die Autos die uns entgegenkommen, hupen, blinken und uns freundlich zuwinken …
 

Es bricht bereits die Nacht herein. Wir stehen am Straßenrand und brauchen ein Auto das uns zur nächsten Station bringt …. Und plötzlich stoppt ein Wagen und fordert uns zum mitfahren auf. - Tatsächlich, das alles passiert in den hintersten Winkeln der Türkei …..

So gehe ich meine Schritte, …. und Gedanken kommen und gehen.... Bete mehrmals meinen „Vater Unser“ …. und zum Schluss meine Bitte um Frieden, Freude und Freiheit... Es steigt die Inspiration in mir hoch, ein Bitt-Gebet zu verfassen, das von allen Völkern und Religionen gebetet werden kann, ohne mit den Richtlinien der jeweiligen Religion oder politischen Einstellung in Konflikt zu kommen.

Sehr viele Gedanken … , viele Ansätze … aber nichts ist stimmig genug für mich. …. So zähle ich weiter „eins, - zwei – drei, Einatmen“ und „eins – zwei – drei, Ausatmen, ........ „

Andere Gedanken kommen und gehen.... Nun kommt mir der Werteweg von Haifa nach Jerusalem zum Goldenen Tor in den Sinn ….. und wieder gehen meine Gedanke zum völkerverbindenden und religionsübergreifenden gemeinsamen Gebet …

Ich packe daher meinen Notizblock aus und schreibe die verschiedenen Ansätze nieder. So kommen wir zur Tankstelle; ich schaue kurz auf die Uhr - und siehe da - wir sind bereits mehr als zwei Stunden gegangen, eine Zeitspanne, die ich gar nicht gemerkt habe. Wir machen eine Pause und nach einer halben Stunde der Erholung brechen wir wieder auf.

Für die nächsten vier Stunden ist keine Infrastruktur mehr zu erwarten. Deshalb nehmen wie uns von der Tankstelle unsere nötige Brotzeit und auch Wasser mit. Nach einer halben Stunde, ich traute meinen Augen nicht, …...: Ein ausgewachsenes Wildschwein von sicher 200 Kilogramm Gewicht liegt neben der Straße; ganz so als ob es schlafen würde ...

Als ich aber sehe, dass sich schon wilde Hunde die besten Leckerbissen vom Hinterteil des Tieres holen, wird mir klar, das keine Spur mehr von einem Lebenszeichen vorhanden ist. Als wir beim Wildschwein ankommen, laufen die Hunde sofort weg; .. nur einer von ihnen lässt sich nicht von uns stören und frisst unbeeindruckt weiter.


Trotz meiner Erfahrung als Jäger kann ich nicht erkennen, woran diese riesige Sau (ein Eber) verendet ist. Diese Wahrnehmungen mit der Natur und dem Wild lenken meine Gedanken schlagartig in eine ganz andere Richtung: Ich erinnere mich an wunderschöne Jagderlebnisse mit meinem Vater, meinen Brüdern und Jagdfreunden; speziell mein Freund Hans Putz und mein Bruder Peter kommen mir in den Sinn...; gerade mit diesen beiden verbinden mich viele wertvolle Gespräche und Erinnerungen …..; Gespräche über den Sinn des Lebens, den Zweck der Jagd und vieles mehr …..

Es dauert jedoch nicht lange und ich bin wieder bei meinem Gebet. Ich mache mir weitere Notizen und bringe so immer mehr Sinn und Fluss hinein. So in Gedanken versunken, wandere ich Schritt für Schritt weiter und komme unserem Etappenziel immer näher. Plötzlich sehe ich auf der rechten Seite etwas rotes aufleuchten …. Da ich meine Brille nicht aufgesetzt habe, erkenne ich erst ein wenig später, dass es sich dabei um Erdbeeren handeln muss ...

und das im Herbst, auf 1200 Metern Seehöhe, bei fünf Grad Celisus, … es ist regnerisch und windig, ….. ich kann es fast nicht glauben ….. Es dauert aber nicht lange und wir stehen mitten im Erdbeerfeld und essen uns satt. Mit dreckigen Schuhen setzten wir unsere Reise fort.

Meine Gedanken lösen sich von den Erdbeeren, dieser süßen roten Versuchung … Ich setze wieder einen Schritt nach dem anderen und hinterlasse dabei meine Spuren, die von meinen dreckigen Schuhen stammen. So vergeht die Zeit, viele Gedanken kommen und gehen, wandern in mein Notizheft … Abends im Internetcafe werden sie dann geordnet und nochmals niedergeschrieben.

Da wir nun entsprechend der verstrichenen Zeit bereits „unsere 30 Kilometer“ gegangen sein müssten und auch die Dunkelheit schon langsam hereinbricht, versuchen wir uns erneut im Autostopp. Und tatsächlich, … gesagt - getan, … es stoppt ein Auto …. - Wir haben Glück. Der Lenker des Fahrzeuges, ein Mann, spricht ein wenig Englisch und gibt uns zu verstehen, dass er nach Sarkikaraagac fährt. - Welch wunderbarer Zufall, dass dieser Ort genau unser heutiges Ziel ist .....; natürlich sind wir sofort eingestiegen. Der Mann bringt uns direkt ins Hotel. - Wieder ist ein Pilgertag, ausgefüllt mit wunderschönen Gedanken und Eindrücken, zu Ende gegangen; …. und das bei schlechtem Wetter. Ich bin dankbar dafür und freue mich schon auf die nächsten Tage.

Am Abend bin ich noch in ein Internetcafe und habe meine Erinnerungen nieder geschrieben, wobei nunmehr bei mir das Friedensgebet im Vordergrund steht …..

Meine Vorstellungen gelten einem völkerverbindenden und religionsübergreifenden Bitt-Gebet für Frieden, Freude und Freiheit. Dieses Gebet sollte jeder Mensch auf Erden beten können, ohne mit seiner politischen und religiösen Einstellung in Konflikt zu kommen. Viele Notizen habe ich mir dazu gemacht. Das Ergebnis möchte ich jetzt noch kurz niederschreiben.

Ein Bitt-Gebet für Frieden Freude und Freiheit auf Erden:

Lieber Gott, Vater unser im Himmel, geheiligt ist dein Name, im Himmel und auf Erden.

Lieber Vater, bitte schenke uns Frieden, bitte schenke uns Freude und bitte schenke uns Freiheit auf Erden. - Amen.

Gegrüsst seid ihr Heiligkeiten im Himmel, verehrt werden Eure Namen im Himmel und auf Erden. Bitte unterstützt uns im Frieden, bitte unterstützt uns in der Freude und bitte unterstützt uns in der Freiheit auf Erden. - Amen.

(persöhnliche Anrufungen, ganz individuell)

Wir rufen, Jesus Christus, Sohn Gottes. Bitte unterstütze uns!

Wir rufen, Erzengel Michael. Bitte unterstütze uns!

Wir rufen, Erzengel Metatron. Bitte unterstütze uns!

Wir rufen, alle Engel und Erzengel im Himmel. Bitte unterstützt uns!

Wir rufen, alle Heiligkeiten im Himmel. Bitte unterstützt uns!

Wir rufen alle Heiligkeiten auf Erden. Von Ost bis West, von Nord bis Süd. Bitte unterstützt uns!
 

Gegrüsst seist du Maria, Mutter Jesu, bitte, bitte für uns um Frieden auf Erden, bei Gott unserm Vater! - Amen.“

In diesem Sinne bitte ich, dass dieses Gebet einen Beitrag leisten wird für eine bessere Welt. Mein großer Wunsch, ja mein Traum wäre es, dass sich dieses Gebet über unseren ganzen Erdball verbreitet. - Wiederum ein Traum, der es wert ist, weiter geträumt zu werden.

So ist es nun 23.30 Uhr geworden.... Ich schließe diesen Bericht und freue mich auf mein Bett ….. und wer weiß, vielleicht träume ich einen Traum, der es wieder wert ist, niedergeschrieben zu werden.

 

4. Bericht

 

Heute haben wir die Staatsgrenze zu Syrien überschritten!

Wir schreiben nunmehr den 10. November 2010.

 

Was wir dabei erlebt haben, ist es wert, aufgeschrieben zu werden:

 

Acht Kilometer vor der Grenze … : Unauffällig stoppt ein Pkw unmittelbar vor Johannes. Der Fahrer steigt aus und nähert sich unserem Kameraden. Instinktiv erkennt Johannes, dass es sich dabei um eine Kontrolle handelt …. weshalb auch er seinen Polizei-Dienstausweis griffbereit hält. - Und tatsächlich, der Fahrzeuglenker zieht seinen Ausweis und gibt sich als Zivilpolizist zu erkennen; eine Kontrolle ist angesagt. - Jetzt zeigt auch Johannes seinen Dienstausweis und gibt seinem Gegenüber zu verstehen, „ich auch Polizist, aber in Austria ...“. - Auf diese Weise war natürlich das Eis sofort gebrochen. Wir wurden sogar noch in das Polizeihauptquartier auf einen Tee eingeladen.

 


 

Doch das war noch nicht alles …. : Nach dem Tee, den wir so richtig genossen und nachdem wir das Ereignis fotografisch für die Nachwelt erhalten haben, wurden wir auch noch mit dem Dienstfahrzeug zur Grenze gebracht. Dort nahmen wir eine absolute  Sonderstellung ein. Ohne Zeitverlust und ohne uns anstellen zu müssen, wurden wir gleich durchgewunken.

 

Natürlich haben wir diesen Service mit Freude angenommen und genossen; wir sind dankbar dafür und demütig zugleich. Gut gelaunt verabschiedeten wir uns von unseren neuen Freunden mit einem herzlichen „Dankeschön“. - Das war also unser erstes Erlebnis in Syrien! Wir sind schon gespannt, was uns dieses Land noch alles bringen wird.

 

Seit dem 13. Oktober bis jetzt hat sich natürlich wieder viel ereignet, das wir euch keinesfalls vorenthalten wollen:

 

Als wir Konya am 14. Oktober verlassen wollten, hatte Otto starke Schmerzen in der großen Zehe, die er ohne Untersuchung durch einen Arzt nicht einfach so belassen  wollte. - Ich gab ihm daher einen, aus meiner Sicht guten, Tipp: „Otto nimm die Schmerzen mit einem Lächeln an, gehe in die Schmerzen hinein und einfach durch die Schmerzen hindurch ...“. Zugegeben, nicht einfach, aber es geht .... ! - Otto aber wollte davon nichts wissen, weshalb wir dann auch zu einem Arzt gefahren sind, von dem er sich untersuchen ließ. Der Doktor konnte nichts Gravierendes feststellen und äußerste auch keine Bedenken, wenn Otto mit uns weiter wandert. Beruhigt sind wir dann wieder zurück zum Hotel. Otto hatte dort noch seinen Rucksack; er hatte noch nicht gepackt, da er der Meinung war, nicht weiter gehen zu können. - Um 13.30 Uhr sind wir dann schließlich mit dem Taxi bis zum Stadtrand gefahren, von wo aus wir endlich wieder unsere Pilgerschaft fortsetzen konnten.

 

Persönliche Betrachtung:

 

Wir gehen auf einer Schotterstraße in Richtung Cumra. Es ist der 14. Oktober 2010, 14.00 Uhr. - Wahrlich eine Strecke der besonderen Art: Links - nichts ..., rechts - nichts …. und wieder nichts …. und nochmals nichts … Alles verläuft gerade, eine extrem eintönige Landschaft, … eine fade Strecke, alles gerade, gerade und wieder gerade ….. und das so weit das Auge reicht. Die Straße ….. kilometerlang nur gerade ...

 

Wieder ein idealer Zeitpunkt, meine mittlerweile schon sehr bewährte Geh-Meditation auszupacken. - „Eins - zwei – drei, Einatmen, eins - zwei – drei, Ausatmen“ … Für jedes Einatmen drei Schritte, für jedes Ausatmen drei Schritte ... - Dieser Rhythmus bringt mich wieder in eine Stimmung der Ruhe und der Ausgeglichenheit. Gedanken kommen, Gedanken gehen ….. Ich denke an meine Familie, an die Freunde zu Hause .... Der Zeitpunkt rückt immer näher, an dem ich meine gewohnte Umgebung wieder genießen kann, …. der Winter kommt mir in den Sinn.... - Vorfreude auf das Schi fahren macht sich breit, … damit verbunden kommen alte Erinnerungen aus meiner aktiven Zeit als Rennläufer hoch ….. Meine Erfolge aber auch die Niederlagen kommen mir in den Sinn ...

 

Plötzlich werde ich durch lautes Hundegebell aus meinen Gedanken gerissen. - Als ich aufschaue, sehe ich schon drei Hunde auf uns zu laufen. Vor mir Johannes, mit seinen Wanderstöcken bewaffnet - und ich, schutzlos!

 

Ich hatte zuvor meine Stöcke an Otto verschenkt, da er seine in der Wartepause auf ein Taxi vergessen hatte. Als er den Verlust bemerkte, sind wir zwar sofort zurück zu dieser Stelle, leider war aber von den Stöcken nichts mehr zu sehen ... Da ich wusste, wie wertvoll die Stöcke für Otto sind, habe ich ihm meine geschenkt. Ich hatte sie beim Gehen ohnehin nie in Verwendung. - Otto und Johannes gehen nur mit Stöcken. Für mich waren die Stöcke nur als Waffe zur Verteidigung gegen streunende Hunde gedacht.

 

Tja, und jetzt, wo ich sie tatsächlich gebraucht hätte, hatte ich keine mehr .... ! Die Hunde waren uns mittlerweile gefährlich nahe gekommen, …. angriffslustig, wie ich noch keine Hunde zuvor gesehen habe. - Selbstbewusst spreche ich die Tiere an, versuche sie in ruhigem Ton  zu beruhigen … und Johannes hält sie mit seinen Stöcken auf Distanz. - Ich bat Johannes, mir die Hundeleine von Blacky, die ich hinten in meinem Rucksack zwecks Hundeverteidigung aufgehoben hatte, raus zu geben, damit ich nicht mehr ganz schutzlos war. - Dann überlegte ich kurz, ob es besser wäre, drohend die Leine zu schwingen oder bei meiner bewährten Methode des „gut Zuredens“ zu bleiben …

 

Ich wähle schließlich die zweite Möglichkeit. Da ich eigentlich vor Hunden keine Angst habe und ich jetzt durch die Leine auch einen gewissen Schutz verspürte, war meine Ausstrahlung wahrscheinlich noch angewachsen …. So konnten wir erreichen, dass sich die Hunde beruhigten und abzogen .... - Allerdings in Richtung Otto, der etwa dreihundert Meter hinter uns war und das Geschehen von Weitem  beobachtet hatte. - Als die Hunde nunmehr den allein stehenden Otto entdeckten, erwachte die Angriffslust der Tiere aufs Neue und los ging es mit Gebell, direkt auf Otto zu. - Als wir sahen, dass Otto nur mehr wild mit den Stöcken um sich schlug und so richtig in Bedrängnis kam, bewegten wir uns sofort auf ihn zu. Da wir nicht laufen wollten, va. um die Situation zu beunruhigen, hat das etwas länger gedauert .... Aber es hat funktioniert! Wir konnten die Hunde beruhigen und sie sind schließlich wieder abgezogen.

 

Das war tatsächlich eine furchterregende Situation, die aber Gott sei Dank gut ausgegangen ist. Jedenfalls für mich eine neue Erfahrung, wie ich sie noch nie vorher erlebt habe. Am Ende haben auch wir uns wieder beruhigt und konnten so wieder in  gewohnter Weise unseren Weg fortsetzen.

 

Und weiter ging es von Konya nach Kasinhani, weiter nach Cumra, Arikören bis nach Süleymanhaci.

 

 

Für diese Strecke brauchten wir zweieinhalb Tage; wir schafften dabei ca. 72 Kilometer. Am 16. Oktober trafen wir um 08.45 Uhr einen Bauern, der sich uns als Bayram vorstellte.

 

 

Bayram arbeitete lange Zeit in Deutschland und sprach deshalb perfekt Deutsch. Als wir ihm erklärten, was wir machen und wohin wir gehen, versprach er, uns mit dem Traktor nach Madensehri zu bringen. Da ein Traktor entsprechend unseren selbst verfassten Richtlinien zu den erlaubten Transportmöglichkeiten zählt, haben wir sein Angebot gerne  angenommen. Wir hatten allerdings nur eine kleine Schwierigkeit zu lösen. Wir mussten aus dem Dorf Süleymanhaci raus,  ohne von Bayrams Vater gesehen zu werden. Er hätte seinem Sohn nicht erlaubt, mit drei Pilgern 15 Kilometer weit spazieren zu fahren ....

 

 

Für uns waren das aber sehr wertvolle Kilometer, da wir dadurch am Abend Karaman erreichen konnten. Die Fahrt aus dem Dorf heraus war zwar etwas umständlich, aber wir sind schließlich ungesehen weg gekommen. Die Strecke nach Madensehri war dann eine reine Erlebnisfahrt,

 

 

geprägt von einer wunderschönen Landschaft! Das Wetter war zwar nicht gerade optimal, aber es waren immer wieder Sonnenstunden dabei. Einmal schaute es aus, als ob es gleich stark zu regnen beginnen würde, … und das zu diesem Zeitpunkt, wo es überhaupt nicht in unser Konzept gepasst hätte. - Aber siehe da, schon kommt ein wenig Wind auf und verbläst alle Wolken, …. und wir hatten wieder Sonnenschein ….

 

Mittlerweile sind wir schon in der Nähe von Madensehri, wo es die bekannte „1001 Nacht Kirche“ zu besichtigen gibt; eine tolle Sehenswürdigkeit mitten in einem kleinen Bergdorf zwischen Konya und Karaman. - Paulus soll hier in den Jahren 46 bis 48 bei seiner ersten Missionsreise, die er mit Barnabas unternahm, durchgereist sein (Apostelgeschichte 13-14); über Zypern gelangten sie dann nach Antiochien in Pisidien, weiter nach Ikonien bis nach Lystra und Derbe. - Wir sind gerade in Lystra, haben dort außer ein paar großen kunstvoll behauenen Steinblöcken aber nichts entdeckt, das auf Lystra hindeuten konnte.

 

 

Recherchen von Johannes ergaben, dass nicht bewiesen ist, wo Lystra und Derbe genau liegt. Wir haben Informationen, das Derbe in der Nähe von Madensehri sein soll. Als wir zu einer Straßenkreuzung kommen, zeigt ein Wegweiser nach links, „1001 Kilise“. Wir  waren daher schon voller Erwartungen. - Doch ganz unerwartet entscheidet Johannes, „zurück, zurück, wir müssen rechts ...“. - Bayram bremst sein Gefährt ein, Retourgang -  und zurück ... Wir wussten nicht, was Johannes vor hatte ... aber Johannes war auf GPS-Empfang und hatte Kenndaten für Derbe eingegeben. So haben wir uns von dem Gerät führen lassen, bis schließlich die Anzeige kam, dass wir im Zentrum von Derbe sein sollten  …. - Nur, von einem Derbe war weit und breit nichts zu sehen .... - Lediglich ein paar Bauernhäuser fanden sich in der Nähe. Dort fragten wir nach „Derbe“, blickten aber nur in verwunderte Gesichter. Schließlich erfuhren wir aber doch von einem Ort namens „Dele“, der ca. zwei Kilometer weiter oben sein sollte. So fuhren wir weiter, wie uns geraten wurde, und - siehe da, wir kommen in ein kleines Bergdorf mit Bauernhäusern, das inmitten alter Kulturstätten lag, die teilweise noch gut erhalten sind.

 

 

Es gelang uns, mit einer Frau aus dem Ort zu sprechen. Auf Befragung, ob manchmal Besucher hierher kommen, teilt sie uns mit, dass früher öfter Geologen vom Ministerium vorbei gekommen sind …. und dass die Bewohner angewiesen wurden, nichts an den alten Gemäuern zu verändern. Auch könnte es sein, dass sie ausgesiedelt werden ...

 

 

Das alles deutet natürlich darauf hin, dass es sich hier tatsächlich um ein großes Kulturgut handelt. Wir waren uns daher sicher, dass wir das Derbe gefunden hatten, das in der Bibel beschrieben ist. Ob es wirklich stimmt oder nicht, wird sich in der Zukunft sicherlich noch zeigen. Wir waren jedenfalls von diesen Stätten so beeindruckt, dass wir dort noch einige Zeit verweilten, obwohl wir schon unter Zeitdruck standen.

 


 

Nachdem wir Fotos gemacht hatten, verabschiedeten wir uns von der Frau, die uns so sehr behilflich war. Wir stiegen wieder auf den Traktor und weiter ging es zur „1001 Kilise“. Im Ort Madensehri angekommen, lernten wir den Bürgermeister kennen, der uns in sein Haus zum Essen eingeladen hat.

 


 

Eine solche Einladung dürfen wir natürlich nicht ausschlagen. Bald saßen wir in einer netten Gruppe am Boden und genießen so unser Mittagessen. Die Zeit verging natürlich wieder viel zu schnell, aber wir mussten weiter ... Wir wollten ja noch die „1001 Nacht Kilise“ besichtigten und auch Fotos sollten wir noch machen. Überdies war es unser Bestreben, auch Karaman noch zu erreichen. Wir bedankten und verabschiedeten uns daher recht bald vom Bürgermeister und seiner Familie und brechen auf zur „1001 Nacht Kilise“. - Nach einer halben Stunde hatten wir unsere Fotos und auch die Besichtigung ist nicht zu kurz gekommen.

 

Da wir schon sehr viel Zeit verbraucht haben, baten wir Bayram, uns noch sieben Kilometer in Richtung Hauptstraße zu fahren, die nach Karaman führt. Bei der Kreuzung haben wir uns dann von ihm verabschiedet und uns selbstverständlich mit einem nicht zu kleinem „Dieselgeld“ erkenntlich gezeigt. Bayram war für uns eine große Hilfe und sehr wertvoll, da wir ohne ihn nicht so viel gesehen und auch Karaman an diesem Abend nicht mehr erreicht hätten.

 

Nach der Kreuzung mussten wir dann noch ca. fünf Kilometer gehen und haben dann den ersten Bus genommen, der nach Karaman gefahren ist. Dort angekommen sind wir von einer Lehrerin durch die Stadt Karaman zum Busbahnhof geleitet worden,

 

 

wo wir gleich einen passenden Bus in Richtung Konya gefunden haben.

 

Johannes und Otto sind in der Nacht noch weiter nach Manavgat gefahren. Manavgat liegt an der Südküste der Türkei. Genau dorthin sind die Eltern von Johannes gereist, um die dritte Garnitur Schuhe zu bringen. Auch die Fotos und Daten, die sich angesammelt hatten, konnten so auf dem eigens mitgebrachten Laptop gesichert werden. Ich selbst blieb während dieser Zeit in Konya und besichtigte verschiedene Sehenswürdigkeiten. Eine davon war die Paulus-Kirche, in der ich auch einer italienischen Messe beiwohnen durfte. Seither bereichert ein Kirchenstempel der Paulus-Kirche in Konya meinen Pilgerpass. Am meisten freute ich mich über einen kleinen Prospekt betreffend Paulus, den ich dort erhalten habe.Darin enthalten war ein aus meiner Sicht sehr wertvoller Spruch und viele Informationen über den Apostel Paulus.

 


 

Am Montag den 18. Oktober bin ich dann gemütlich und ohne Stress mit dem Bus wieder zurück nach Karamann, wo ich ein Hotelzimmer für meine Pilgerfreunde und mich organisierte habe. - Johannes und Otto kamen ja erst um Mitternacht von der Südküste zurück nach Karaman. Wir hatten vor, am Dienstag wieder auf unserer Pilgerroute weiter zu wandern. - Ja, liebe Freunde, genau so können Pilgertage aussehen ….., abwechslungsreich, interessant, anstrengend, …. oftmals sehr improvisiert und spontan …., jedenfalls aber unvergesslich.

 

 

Von Karaman sind wir dann in Richtung Mut aufgebrochen. Dabei mussten wir einen Pass in 1650 Metern Seehöhe überwinden.

 

Persönliche Betrachtung:

 

20. Oktober 2010, 14.30 Uhr:

Wir wandern von Karaman in Richtung Mut und überwinden dabei den Pass „Sertavul Gecidi“ in 1650 Metern. Das Wetter war anfangs regnerisch. Als wir aber in die Nähe des Passes kamen, wurde es besser, die Temperatur immer angenehmer. Die prachtvolle, wunderschöne Natur und wenig Straßenverkehr bewirken in mir eine sehr angenehme, ausgeglichene Stimmung. - Ich bin Teil der Natur ..., meine Gedanken sind ganz präsent beim Gehen. Die 17 Kilogramm Gewicht am Rücken scheine ich nicht mehr zu spüren, trotz teilweise 10-15 % Steigung.

 

Paulus kommt mir in den Sinn, die heilige Messe in Konya, der Folder, die überlieferten Worte aus seinem Brief an die Philipper (Phil. 2,2-5):

 

„Macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig, dass ihr nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei tut. Sondern in Demut schätze der eine den anderen höher ein als sich selbst. Jeder achte nicht nur auf sein eigenes Wohl sondern auf das der anderen.“

 

Ja, das ist Liebe pur und deckt sich vollkommen mit unseren Werten.

 

Im gleichen Atemzug kommen mir diese unsere Werte in den Sinn, die einen Beitrag für Frieden, Freude und Freiheit leisten sollen. So bin ich mir sicher, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

 

Wenn diese Werte tatsächlich gelebt werden, dann haben wir Frieden, dann haben wir Freude und wir haben Freiheit auf Erden.

 

In diesem Sinne bete ich mehrmals unser Friedensgebet und spüre die vollkommene  innere Ruhe und tiefen Frieden. „Friede sei mit dir und Friede sei in dir“, das ist es, was wir uns wünschen. Ist der Friede in uns, so ist auch Frieden auf Erden ….

 

„Lieber Gott, Vater unser im Himmel, geheiligt ist dein Name, im Himmel und auf Erden. Lieber Vater, bitte schenke uns Frieden, bitte schenke uns Freude und bitte schenke uns Freiheit auf Erden. - Amen.

 

Gegrüßt seid ihr Heiligkeiten im Himmel, verehrt werden Eure Namen im Himmel und auf Erden. Bitte unterstützt uns im Frieden, bitte unterstützt uns in der Freude und bitte unterstützt uns in der Freiheit auf Erden. - Amen.

 

(persönliche Anrufungen, ganz individuell)

Wir rufen Jesus Christus, Sohn Gottes. Bitte unterstütze uns!

Wir rufen die heilige Maria, Mutter Jesus. Bitte unterstütze uns!

Wir rufen die heilige Mutter Theresa. Bitte unterstütze uns!

Wir rufen den heilige Paulus von Tarsus. Bitte unterstütze uns!

Wir rufen Erzengel Michael. Bitte unterstütze uns!

Wir rufen Erzengel Metatron. Bitte unterstütze uns!

Wir rufen alle Engel und Erzengel im Himmel. Bitte unterstützt uns!

Wir rufen alle Heiligkeiten im Himmel. Bitte unterstützt uns!

Wir rufen alle Heiligkeiten auf Erden. Von Ost bis West, von Nord bis Süd. Bitte unterstützt uns!

 

Gegrüßt seist du Maria, Mutter Jesu, bitte, bitte für uns um Frieden auf Erden, bei Gott unserm Vater! - Amen."

 

So in Gedanken versunken, habe ich vollkommen die Zeit übersehen und wir hatten unser Tagesziel erreicht ....

 

Am 21. Oktober 2010 kamen wir an einen kleinen Ort, an dem uns geraten wurde, uns unbedingt die „Alahan Kilise“ anzusehen. - Da die Kirche aber vier Kilometer abseits unserer Route lag und es auf dem Weg dorthin sehr steil nach oben geht, beschlossen wir, uns entsprechend Hilfe zu organisieren. Wir fanden schließlich einen Motorradfahrer, der uns einzeln zur Kilise brachte. Vier Kilometer rauf, vier Kilometer runter, da ist man schon einige Zeit unterwegs ....  Johannes ist als erster gefahren. Dann hat der sportliche Motorradfahrer mich geholt. Als ich oben war, ist Johannes mit ihm wieder zurück gefahren. Nach mir war Otto an der Reihe. Es blieb genug Zeit, diese hoch interessante Kulturstätte zu besichtigen und interessante Fotos zu machen.

 



 

Trotz den Besichtigungen sind wir noch rechtzeitig nach Mut gekommen, von dort weiter  Silifke. Etwa zehn Kilometer vor Silifke kamen wir bei einem Denkmal vorbei, das an Barbarossas Tod und das Ende des 3. Kreuzzuges erinnert.

 

 

Es war bereits vollkommen dunkel, als wir in Silifke angekommen sind. Wir ließen uns sofort mit einem Taxi zu einem Hotel bringen, womit wieder einmal ein wertvoller und wunderbarer Pilgertag seinen Abschluss fand. - Schönes Wetter, angenehm warme Temperaturen und eine wunderbare Landschaft begleiteten uns dabei.

 

Am 25. Oktober am Vormittag haben wir uns von einem Taxi flussaufwärts fahren lassen, um die Stelle zu suchen, an der Kaiser Friedrich I „Barbarossa“ („Rotbart“) ertrunken sein soll. Wir wurden fündig und machten auch von diesem Ort ein Foto.

 

 

Am Nachmittag kamen wir in den Genuss eines ganz besonderen Service: Der Chef  unseres Hotels bot sich an, uns mit seinem Auto zu sehenswerten Kulturstätten rund um Silifke zu bringen. Dieses Angebot nahmen wir natürlich voll Freude an. So lernten wir Sehenswürdigkeiten kennen, die wir alleine nie gefunden hätten.

 

 

Ja, so ist es im Leben! - „Wenn´s läuft, dann läuft´s“, sagt ein altes Sprichwort. Wir hatten und haben absolut das Gefühl, dass es bei uns so richtig läuft! Wir sind sehr dankbar und glücklich, dass wir das alles erleben und sehen dürfen.

 

Von Silifke sind wir am 26. Oktober weiter nach Erdemli, Mersin und Tarsus, wo schließlich die nächste große geschichtsträchtige Stadt auf uns wartete. - Am 29. Oktober haben wir dann Tarsus erreicht; jene Stadt in der Paulus geboren wurde und von wo aus er das Christentum in drei ausgedehnten Missionsreisen verbreitet hat.

 

 

Viele Ausgrabungen werden in Tarsus durchgeführt; dabei wurde auch eine großer Teil  einer Römerstraße freigelegt.

 

 

Weiters haben wir in Tarsus die Paulus-Kirche, den Paulusbrunnen und auch die Fundamente jenes Hauses, in dem Paulus angeblich aufgewachsen ist, besichtigt. Mit dem Taxi haben wir uns auch noch zur „Siebenschläferhöhle“ bringen lassen …...

 

Zurück nach Tarsus ging es dann ebenfalls wieder mit dem Taxi. Am 30. Oktober ging die Reise weiter nach Adana. Auf dem Weg dorthin haben wir.eine Obstverwertungsfirma besucht und sind auch bei einer Mandarinen-Ernte vorbei gekommen.

 

 

In Adana selbst war für Sonntag, den 31. Oktober 2010, unser Ruhetag geplant. - Für mich aber kam es anders; und darüber möchte ich gesondert berichten ....

 

Persönliche Betrachtung:

 

Wir schreiben nun bereits den 2. November 2010; ich befinde mich derzeit sieben Autostunden von unserer Pilgerroute und meinen Pilgerkollegen entfernt. Es ist 11.30 Uhr und ich warte am Busbahnhof in Ankara auf jenen Bus, der mich um 13.00 Uhr wieder zurück nach Adana bringen soll ....

 

Aber nun kurz zu der versprochenen Geschichte: Vor etwa zwei Wochen hat mich mein Sohn angerufen und mir mitgeteilt, dass die Banken bereits nervös werden und er mit seiner Generalvollmacht, die wir noch vor meinem Abmarsch verfassen ließen, verschiedene Handlungen nicht umsetzen kann. Ich müsse daher eine neue Vollmacht auf der Botschaft in Ankara unterschreiben. - Aus diesem Grund habe ich binnen kürzester Zeit organisiert, dass ich nach Ankara komme, um dort das alles entsprechend zu erledigen. Um keine „Pilgerkilometer“ zu verlieren, habe ich den freien Sonntag am 31. Oktober dafür genutzt, um bereits an diesem Tag die Strecke von Gökceli (25 Kilometer südlich von Adana) nach Karatas zu gehen, die Johannes und Otto erst heute gehen.

 

Ich bin gestern nachts um 23.30 Uhr mit dem Bus ca. 500 Kilometer nach Ankara gefahren und dann um 06.30 Uhr früh in der Stadt angekommen. Bereits um 08.00 Uhr war ich in der Botschaft. Nachdem diese um 09.00 Uhr geöffnet hat, unterschrieb ich die Vollmacht, die sodann vom Botschafter beglaubigt wurde. - Und schon um 10.00 Uhr war alles erledigt …. ! Und dann noch schnell ein Foto auf der Atatürk Bulvari, wo sich das Botschaftsgebäude befindet ....,

 

 

…. hinein in die U-Bahn und zurück zum Busbahnhof, wo ich nun im Internet-Café diesen Text schreibe. Für 13.00 ist die Abfahrt geplant, um 20h werde ich wieder in Adana sein .... Mein Zimmer dort habe ich bereits gebucht, so dass ich am 3. November in der Früh in Ruhe mit dem Bus nach Karadas weiter fahren kann. Diese Strecke bin ich ja schon gegangen …, somit brauche ich kein schlechtes gewissen zu haben, dass ich Kilometer „geschenkt“ bekommen würde.

 

Mein Ziel ist es, dass ich am Mittwoch zwischen 10.00 und 11.00 Uhr in Karadas bin, wo ich wieder auf meine Pilgerkollegen treffe, um dann gemeinsam mit einem gecharterten Fischerboot weiter nach Iskenderun zu fahren

 

So hatten wir es jedenfalls geplant …. ! - Wie es klappen wird, würden wir spätestens morgen sehen. Ja, auch so können Pilgertage aussehen ... Das hat zwar nichts mit Pilgern  zu tun, muss aber auch erledigt werden.

 

 

Adana, 22.00 Uhr.

Ich sitze wiederum im Internet-Café ….. aber beschreibe nunmehr eine ganz neue Situation: Im Bus von Ankara nach Adana bekam ich unerwartet von Otto einen Anruf, in dem er mir mitteilte, dass alles anders läuft, als geplant … Der Preis für das Fischerboot ist zehn mal höher als ursprünglich vereinbart! - Damit fällt das Fischerboot im wahrsten Sinne des Wortes für uns buchstäblich ins Wasser! Wir werden daher, wie es sich für echte  Pilger gehört, zu Fuß gehen …...

 

Johannes und Otto werden daher morgen früh wieder nach Adana kommen, von wo aus wir dann gemeinsam weiter wandern werden. - Aber, diese 44 Kilometer, die wir ja schon Richtung Süden nach Karadas gewandert sind, werden wir unserem „Pilgerkilometer-Konto“ gut schreiben! Diese „Bonuspunkte“ werden wir in Richtung Osten einlösen, indem wir fallweise den Bus verwenden.

 

Am 3. November um 10.00 Uhr sind dann also Otto und Johannes von Karatas zurück gekommen; wir hatten als Treffpunkt die alte Steinbrücke in Adana vereinbart.

 

 

So können wir ab jetzt wieder gemeinsam unserer geplanten Pilgerroute folgen. Auf der einen Seite macht oftmaliges Improvisieren einen Weg zwar sehr abwechslungsreich, auf der anderen Seite kostet das aber auch sehr viel Kraft und Zeit.

 

Denn, unser Ziel vor Augen, am 24. Dezember in Bethlehem vor der Krippe zu stehen, erlaubt uns nur wenig Spielraum. Wir müssen daher immer sehr genau kalkulieren, ob wir uns wieder etwas von den vielen Kulturangeboten ansehen wollen oder nicht. - Aktuell sieht unser Zeitspiegel allerdings noch recht gut aus, es warten aber auch noch eine Menge Sehenswürdigkeiten in der Türkei, in Syrien und Jordanien auf uns. Wir sind jedenfalls frohen Mutes und guter Hoffnung, dass wir noch viel sehen werden, um so unsere Pilgerwanderung weiter zu bereichern.

 

 

Von Adana nach Ceyhan, dann über eine Abkürzung (nach dem Kompass berechnet ...) in Richtung Küste. Diese Wegstrecke brachte uns in eine karge Gegend,

 

 

aber auch in eine Situation, in der wir wegen dichtem Gestrüpp nicht mehr weiter konnten und umdrehen mussten. Wie bestellt, pflügte soeben ein Bauer sein Feld … Er nahm uns   mit dem Traktor mit und brachte uns wieder zurück auf unseren Weg in Richtung Küste  …

 

 

Ein ganz besonderes Erlebnis: Die Dämmerung bricht herein, wir kommen gerade wieder auf die Hauptstraße, wo wir in einem Kohlewerk Pause machen durften und etwas zu Essen bekamen.

 

 

Beim Weggehen war es schon dunkel und wir konnten nur hoffen, dass wir bald eine Mitfahrgelegenheit finden würden. So wie es die Fügung will, dauerte es nicht lange, bis wir am Straßenrand zwei Motorräder stehen sehen …. das Licht der Fahrzeuge brennt und drei junge Burschen stehen davor. Wir begrüßen die Gruppe mit einem freundlichen „Merhaba“ und schon waren wir im Gespräch ….. Es dauerte auch nicht lange und wir konnten zu verstehen geben, dass wir eine Fahrgelegenheit in die nächste Stadt, nach Doertyol, suchen (ca. 25. Kilometerweiter der Küste entlang).

 

So schnell konnten wir gar nicht schauen, wie ein Junge sein Handy zur Hand nimmt und einen Anruf tätigt. Ebenso plötzlich war ein Auto zur Stelle und brachte uns in die Stadt. - Eine total improvisierte Handlung, die von Erfolg gekrönt war. …. Ja, wie wir immer sagen,  „wenn´s läuft, dann läuft`s ....“.

 

Wir haben dann noch unser Hotelzimmer bekommen und für ein Abendessen blieb auch noch Zeit.  …. Wieder ist ein erlebnisreicher Tag zu Ende gegangen, voll mit wunderbaren Erlebnissen, die man einfach aufschreiben muss.

 

Danke an alle unsere kleinen unsichtbaren Helferlein!

 

Am nächsten Tag sind wir wieder zurück zu der Stelle, wo wir ins Auto gestiegen sind; die Wanderung geht weiter .... durch Mandarinen- und Orangenplantagen … permanent versorgt mit Geschenken  …. frisch gepflücktes Obst versüßt unsere Pilgerschaft ....

 


 

Wir wurden auch eingeladen, bei den Erntearbeiten mitzuhelfen ....

 

 

Das schönste Erlebnis für mich war, als wir bei einem unbeschrankten Bahnübergang  standen, als ein Frachtzug kam. Wir machten unser gewohntes Autostopp-Zeichen, allerdings nur zum Spaß … Wahrscheinlich könnt ihr euch schon vorstellen was kommt …: Plötzlich stoppt der Frachtzug, der zu diesem Zeitpunkt ganz langsam gefahren ist, und nimmt uns mit! Nach etwa fünf Kilometern ist die Fahrt allerdings vorbei, da hier Endstation war. Ein wunderbares Ereignis, wie wir es noch nie zuvor erlebt hatten.

 

So kamen wir nach Iskenderun, Belen und zu einem Pass von 750 Metern Seehöhe. Wiederum wagten wir eine Abkürzung über Oliven-Plantagen. Diesmal brachte sie uns aber eine Einsparung von gut fünf Kilometern. Zusätzlich wurden wir mit wunderbaren Ausblicken und einer einmaligen Naturlandschaft belohnt.

 

 

Nachdem wir Kirikhan erreicht hatten sind wir schließlich am 6. November bei Dunkelheit in Antakya angekommen.

 

Antakya gilt als die Wiege des Christentums; jener Ort, wo Paulus und Petrus sich getroffen und wichtige Regeln für das junge Christentum aufgestellt haben. Deshalb wird Antakya, damaliges Antiochien am Orontes, als die Wiege des Christentums bezeichnet.

 

 

Angeblich liegen unterhalb der Stadt Antakya noch verborgene Schätze. Keiner weiß genau davon, …. aber es besteht Grund zur Vermutung … Vieles ist schon ans Tageslicht gekommen aber der Großteil wird wohl für immer verborgen bleiben …

 

Eine der prächtigsten Sehenswürdigkeiten ist die „Petrus Kilise“, die als älteste christliche Kirche der Erde gilt. Hier soll Paulus erstmals gepredigt und seine Missionstätigkeit begonnen haben. Selbstverständlich haben wir auch diese Kirche besichtigt.

 

 

Wir hatten auch noch das Glück, dass wir gemeinsam mit einer amerikanischen Reisegruppe in der Paulus-Kirche einer heiligen Messe beiwohnen durften. Nachher wurden wir zu einer kleinen Jause und zu einem Umtrunk eingeladen ....

 

 

In Antakya sind wir nun nur noch zwei Tagesetappen von Syrien entfernt. Nach den Besichtigungen in Antakya starten wir am 9. November die erste Teilstrecke bei viel Staub und wenig ansprechender Umgebung. Das Wetter und die Temperatur ist für Pilger allerdings ideal, … sonnig, … nicht zu heiß und nicht zu kalt ... Auch der zweite Tag war ähnlich wie der Vortag …  so erreichten wir am 10. November 2010 um 14.00 Uhr die Grenze.

Wieder ist ein Abschnitt auf unserer Reise zu Ende gegangen, voll von Erlebnissen, Eindrücken und Erfahrungen, die unser Leben sehr bereichern.

Das Ende, oder besser gesagt – das Ziel unserer Reise, rückt damit immer näher!

Die Freude auf den Tag, an dem ich meine Frau und meinen Enkel Luca wieder sehen werde. ist riesengroß. Die beiden werden mich am allerletzten Teil der Pilgerstrecke von Bethlehem nach Jerusalem begleiten. Die Vorfreude ist so enorm, dass ich Freudentränen in den Augen habe … Ich verspüre tiefe Dankbarkeit, dass ich das alles erleben darf.

Mein Wunsch ist groß und meine Bitte aufrichtig, dass wir alle gesund ans Ziel kommen, dass wir alles so erleben dürfen, wie wir es uns gewünscht haben.

Damit beende ich meinen nunmehr vierten Bericht und sage Danke allen, die mit uns mit einem wundersamen Band der Liebe verbunden sind..... Mein Dank gilt vor allem aber auch unseren unsichtbaren Beschützern, die uns begleiten.

 

 

5. Bericht

 

Wie bereits im vorigen Bericht beschrieben, war es für uns am 10. November 2010 dank der Hilfe und Unterstützung eines Zivilpolizisten sehr einfach, die Grenze nach Syrien zu überschreiten.

 

Jetzt aber sind wir wieder wie „richtige Pilger“ unterwegs; mit einem Rucksack von etwa 17 Kilogramm auf dem Rücken; …. fast immer das gleiche Gewicht, …. nur ab und zu durch die mitgetragenen Wasservorräte um ein oder zwei Kilogramm schwerer …

 

 

…. Das Wetter ist wunderschön, es herrschen angenehme Temperaturen von etwa 25 Grad Celsius… Man sieht wenig Grün, … nur Erde, Sand und Steine...;

 

 

…. doch schon nach einer Stunde tauchen die ersten Überreste vergangener Zeiten und Kulturen auf …. ; Syrien wird auf unserer Reise vermutlich noch wesentlich mehr davon zu bieten haben…

 

 

Nach ca. zweieinhalb Stunden Wanderung bricht bereits die Dämmerung herein…

 

Also mussten wir uns Gedanken machen, wie wir heute noch nach Aleppo kommen können, eine Stadt die etwa 30 Kilometer vor uns lag. - Wir konnten ja vermuten, dass in Syrien die Kleinbusse in ähnlicher Weise verkehren würden, wie in der Türkei. Deshalb hatten wir weiter keine großen Bedenken, nicht rechtzeitig in Aleppo einzutreffen. – Und tatsächlich..., es dauerte keine zehn Minuten und wir konnten einen Bus stoppen. ….. Eingestiegen und hinein ins Zentrum, direkt zum Busbahnhof von Aleppo....

 

Dort wurden wir sehr bald auf Englisch angesprochen, „what are you doing, can I help you …”. Und schon wurden wir zu einem Hotel geleitet. - Das erste war uns zwar zu teuer; das zweite hat dann aber gepasst; Kostenpunkt 30 Dollar …. Das war zwar nicht gerade billig, aber doch erschwinglich.

 

„In Syrien ist die Situation bei den Übernachtungen anders, als in den Ländern davor …“, diese Information erhielten wir von einem Tiroler Pilgerkollegen, der schon vorher durch Syrien marschiert war… „Wenig Infrastruktur..., die Hotel-Preise betragen durchschnittlich 25 Dollar aufwärts, …. und die Nächtigungsmöglichkeiten beschränken sich auf die Großstädte Aleppo, Hama, Homs und Damaskus“.

 

Von Aleppo im nördlichen Syrien bis nach Dara im Süden sind es ungefähr 500 Kilometer. Diese Strecke mussten wir uns daher so einteilen, dass wir jeweils in den Großstädten unser „Basislager“ einrichten konnten, um von dort aus die weiteren Etappen zu planen bzw. zu gehen; ganz nach dem Motto „ …. mal nach vorne, und dann auch wieder mal zurück…“. Wenn wir also täglich unsere 25 bis 30 Kilometer zurücklegen würden und Zeit für die verschiedenen Besichtigungen mit einrechnen, sollten wir Syrien am Ende der ersten bis Mitte der zweiten Dezember-Woche wieder verlassen können, um dann schließlich die Grenze zu Jordanien zu überschreiten …. – Nun ja, schauen wir mal wie es kommt...

 

Am 11. November haben wir zuerst einen Ausflug zum „Saint Simeon Kloster“ gemacht. Da die Verkehrsverbindungen sehr gut sind, war es nicht weiter schwer, einen entsprechenden Minibus zu finden; das waren dann ca. 30 Reise-Kilometer…

 

 

Übrigens, der Heilige Simeon, auch als der „Säulenheilige“ bekannt, hat einen Großteil seines Lebens auf einer Säule lebend verbracht und dadurch bewirkt, dass rund um diesen Ort eine riesige Klosteranlage entstanden ist. Simeon soll unglaubliche Wunder vollbracht haben. Bald wurde er wegen der vielen Heilungen sehr bekannt und deshalb von Hilfesuchenden förmlich belagert. Bis ihm das Ganze zu viel wurde und er sich deshalb auf einer Säule verschanzt haben soll, um sich so vor den Menschen zu schützen, die bereits in Massen zu ihm gepilgert sind …. - Reste dieser Säule sind noch heute zu sehen.

 

 

Durch diese Maßnahme zog Simeon aber erst recht die Aufmerksamkeit der Massen auf sich; das Kloster wurde daher dem entsprechend berühmt…

 

 

Das „Saint Simeon Kloster“ ist also nicht zu unrecht weltweit bekannt und wird von vielen Reisegruppen besucht … Auch wir waren von der Anlage fasziniert und haben uns natürlich genug Zeit genommen, bis wir alle unsere Eindrücke und Fotos im Kasten hatten.

 

Doch dann stellte sich uns die nächste Aufgabe. Wie würden wir wieder zu der Stelle gelangen, wo wir am Vortag den Bus bestiegen hatten, um die zweite Etappe Richtung Aleppo zu starten?!?!

 

Als wir schließlich die Klosteranlage verlassen hatten, sahen wir eine Touristengruppe in einen Bus steigen. Sofort erkundigten wir uns, wohin die Reise führen würde und bekamen auf Deutsch zur Antwort, „ …. wir fahren nach Aleppo …“. - Da ca. 10 Kilometer dieser Fahrt auf „unserer Strecke“ lagen, ersuchten wir, uns mitzunehmen. Natürlich war man einverstanden. - Sobald sich im Bus Einzelheiten über unsere Pilgerschaft verbreitet hatten, wurden wir so richtig als Helden gefeiert…, und viele wollten ein Foto mit uns machen; …. diesem Wunsch kamen wir beim Aussteigen gerne nach….

 

Aber …, alle anderen hatten jetzt ein Foto von uns, nur ich habe dabei vergessen, ein Foto für uns selbst zu machen …. wäre sicher eine nette Erinnerung gewesen ….

 

Auch ein Ehepaar aus Salzburg befand sind unter der Reisegruppe. Die beiden hatten offensichtlich eine besondere Freude, in einer solchen Situation Bekanntschaft mit uns gemacht zu haben... - Im folgenden Gespräch stellte sich heraus, dass sie über meine Person sehr genau Bescheid wussten.... Nach den Fotos gab es noch eine nette Verabschiedung und es wurde von allen Seiten herzlich gewunken. - Ein erbauendes Erlebnis, das gleich im Anschluss „auf einer anderen Seite“ seine Fortsetzung fand…

 

Als wir aus dem Bus gestiegen waren, entdeckten wir einen Kleintransporter mit einer freien Ladefläche. Indem wir auf die Landkarte zeigten, machten wir dem Fahrer deutlich, wo wir hin wollten… In kürzester Zeit hatten wir einen Fahrt-Beitrag vereinbart und schon wurden wir wieder zu der Stelle gebracht, an der wir am Vortag unsere Pilgerschaft unterbrochen hatten. – Hinten auf der Ladefläche stehend, war es uns auch wunderbar möglich, für die nächsten 15 Kilometer die herrliche Landschaft in vollen Zügen (und in voller Fahrt!) zu genießen.

 

 

Um 14.00 Uhr waren wir am gewünschten Punkt angelangt. Es konnte also wieder weiter gehen … und so haben wir unseren Pilgerweg auf der geplanten Strecke fortgesetzt… ;

 

…. durch viele kleine Dörfer hindurch…, wo wir überall von begeisterten Kindern begrüßt wurden…

 

 

 

Wir marschieren gerade durch ein kleines Dorf, ... links und rechts der Straße befinden sich Gebäude …. und Kinder … Johannes geht ca. 200 Meter vor mir...

 

Plötzlich nehme ich wahr, wie Johannes einem Jungen nachläuft … das Ganze sieht jetzt nicht mehr ruhig und friedlich aus…! Vielmehr aufgebracht und energisch…! - Ich konnte nicht erkennen, was passiert war …. - Erst als ich zu der Stelle kam, an der Johannes eilig in einem Haus verschwunden und sofort darauf aus einem anderen Haus wieder heraus gekommen ist, habe ich erfahren, dass ein Kind einen Stein nach unserem Kameraden geworfen und ihn dabei genau im Gesicht getroffen hatte.

 

Und wie immer, wenn so etwas Unvorhergesehenes passiert, … man plötzlich in eine nicht alltägliche Situation gestoßen wird, weiß man zuerst natürlich nicht, wie man sich verhalten soll…! - Der Junge war verschwunden und nicht mehr auffindbar… - Dass Johannes in dieser Situation sehr aufgebracht war und auch „Schimpfwörter gebraucht hat“, ist da nur allzu leicht verständlich... - So verließen wir diesen Ort jedenfalls mit zwiespältigen Gefühlen …. Und Johannes wird ihn wahrscheinlich nicht in bester Erinnerung behalten ….

 

Otto und ich konnten die angespannte Situation aber auf gütliche Weise etwas entschärfen. Wir führten noch ein versöhnliches Gespräch mit den Erwachsenen, die natürlich den Vorfall  auch mitbekommen hatten. Da es sich bei dem Steinwerfer ja noch um ein Kind gehandelt hat, zeigten wir Verständnis und Nachsicht...

 

Ja klar…, auch solche Situationen gibt es auf einem so langen Weg …. So hat etwa auch schon in der Türkei jemand einen Stein nach Otto geschleudert…; der Wurf hat aber Gott sei Dank sein Ziel verfehlt und nur einen Schuh getroffen. - Was auch immer der Beweggrund für so ein Kind gewesen sein mag…, wir werden es natürlich nie heraus finden.

 

Trotz allem aber können wir von den vielen unzähligen Kindern, die wir auf unserer langen Wanderung schon getroffen haben, nur das Beste berichten. - Wie heißt es so schön, „in einer so großen Herde von Schafen sind ab und zu auch mal ein paar schwarze dabei…“. – In diesem Sinne behalten wir auch für die Zukunft unsere hohe Meinung von den Kindern bei und freuen uns schon auf weitere Begegnungen.

 

 

Aber, wie ich meine, berichtet gehört auch über solche „Zwischenfälle“ ….

 

Bald hatten wir uns also wieder beruhigt und waren gelassen wie zuvor. Wir gehen unseren Weg in gewohnter Weise weiter; …. schweigend und ganz in unsere Gedanken versunken, …..bis auf einmal lautes und bedrohliches Hundegebell zu hören ist! - Da Johannes einige hunderte Meter vor uns war, konnten Otto und ich uns auf die zu erwartende Situation einstellen. Wir blieben daher nahe beisammen, um so zu zweit einen stärkeren Eindruck auf die Tiere zu machen.

 

Und unsere Taktik ging auf… Die aufgebrachten Tiere liefen zwar mit furchterregendem Gebell auf uns zu …; als sie aber merkten, dass wir keine Angst vor ihnen hatten, sind sie ebenso schnell wieder abgezogen. – Dennoch, …. solche Situationen sind immer wieder aufregend für uns. Wir sind auch immer wieder froh, wenn diese Ereignisse gesund überstanden worden sind.

 

Eine halbe Stunde später fahrt ein „Pickup“ (Van) auf uns zu; schon steht Johannes beim Fahrzeug. …. Und ruft uns zu, „kommt´s, wir sind eingeladen, …. auf einen Kaffee, …. privat, zu Hause ...“. - Da wir die geplant gewesene Tagesetappe sowieso schon geschafft hatten, passte das gut in unser Konzept ... Wir sind daher zum Auto gelaufen … und los ging´s …

 

Die Fahrt dauerte allerdings nicht sehr lange! - „Stotter – knatter – stotter ….“, der Motor setzt aus und läuft nicht mehr …., Ende und Aus! …. So musste die Kaffeepause leider ausfallen und stattdessen sind wir mit dem nächsten Bus zurück nach Aleppo. - Ein weiterer erlebnisreicher Tag unserer Pilgerreise ging somit zu Ende.

 

Heute ist der 12. November 2010. - Wir müssen wiederum einen Teil der Strecke zurück fahren, da uns noch 30 Kilometer Fußmarsch von unserem Ziel Aleppo trennen. Wir sind wie immer, bei diesen Berechnungen sehr genau. Wir wollen uns ja keinen Teil der Pilgerstrecke „erschwindeln“ ….

 

Nach kurzer Suche fanden wir einen Minibus, der uns zum Start der heutigen Etappe bringen sollte, … so meinten wir… - Als dann Johannes aber nach einer halben Stunde Fahrzeit auf sein GPS schaute, bemerkte er, dass wir uns auf der falschen Straße befinden.... Zum Umdrehen war es aber schon zu spät.... Wir mussten daher in Kauf nehmen, dass wir nur über Umwege zu unserem Etappenstart kommen würden.

 

Mit einiger Verspätung kamen wir zu der Stelle, an der wir am Vortag in den Bus gestiegen sind. - Schließlich um 11.30 Uhr konnten wir dann doch unsere Pilgeretappe nach Aleppo starten. Etwa 30 Kilometer liegen vor uns.... Das heißt, wir würden Aleppo erst bei Dunkelheit erreichen … Solcherart zusätzlich motiviert und unter Druck gesetzt, wählten wir ein etwas höheres Tempo und machten weniger Pausen.

 

Dabei passierten wir uralte Straßen, die vermutlich noch aus der Römerzeit stammen und gut erhalten sind...;

 

 

…. vorbei an alten abgelagerten Blechfässern, die total verrostet waren und scheinbar als Einzäunung dienen sollten ...

 

 

Schlussendlich haben wir um 20.00 Uhr bei vollkommener Dunkelheit den Stadtrand von Aleppo erreicht.

 

 

Da wir keine Ortstafel ausfindig machen konnten, marschierten wir weiter bis fast ins Stadtzentrum. Wir haben daher auf dieser Tagesetappe etwa 35 Kilometer zurück gelegt.... Das war ein starker und anstrengender Tag für uns, aber wir haben wieder ein großes Ziel von uns erreicht.

 

Das wiederum stimmte uns sehr glücklich und wir freuten uns schon auf ein paar freie Tage, die wir zum Faulenzen und für Besichtigungen nützen werden:

 

In Aleppo haben wir verschiedene Kirchen besichtigt… Einen ganz besonderen Eindruck hat inmitten der Stadt die riesige Zitadelle aus dem 10. Jahrhundert auf uns gemacht.

 

 

Sehr imposant war auch der Ausblick von der Zitadelle hinunter auf die Stadt Aleppo...

 

 

Am 15. November sind wir dann in Richtung Hama aufgebrochen; die nächste Großstadt auf unserer Pilgerroute.

 

Nachdem wir zuvor in Aleppo einmal das Hotel gewechselt hatten, haben wir dann doch ein recht passables Quartier gefunden; wir werden daher in den nächsten Tagen hierher immer wieder zum Schlafen zurück fahren.

 

Der geplante Weg verläuft entlang der Autobahn, in gerader Linie von Aleppo bis Damaskus (355 Kilometer). Von Homs weg verläuft parallel auch eine Bundesstraße, die von uns bevorzugt wird, weil dort wesentlich weniger Verkehrsaufkommen herrscht.

 

 

… Ab und zu auch ein Schotterweg, der links und rechts mit Föhren bepflanzt ist, ….. und absolut kein Verkehr ….. Immer wenn wir so einen Weg gehen dürfen, lacht unser Herz ganz besonders …...

 

 

 

…. Allerdings gibt es viel Dreck und Schmutz links und rechts der Straße… Weiter geht´s, vorbei an Schafherden und Pumpstationen für die Bewässerung…,

 

 

….. sowie Autowerkstätten … und immer wieder Autowerkstätten…

 

 

Die Menschen sind freundlich und zuvorkommend… Oft werden wir zum Tee oder Kaffee eingeladen…; und immer wieder treffen wir auf freundliche Kinder…

 

 

 

So haben wir schließlich am 19. November endlich Hama erreicht, wo wir nach einem ersten Hotelwechsel wieder ein passendes Quartier gefunden haben. - „Passend“ bedeutet für uns, ….. „nicht zu teuer, ruhig und sauber“ ....

 

Von Hama sind besonders die Wasserräder bekannt, die vom Fluss Orontes betrieben wurden und heute nur mehr als Touristenattraktion dienen.

 

 

Eine wunderschöne Altstadt mit vielen kleinen Geschäften ….. und dem Suk (arabisch Suq = Markt); … auch ganz besondere Reisebusse konnte man in Hama sehen....

 

 

Von Hama aus geht unsere Reise in zwei Etappen weiter nach Homs; … gleiche Struktur, selbe Landschaft wie von Aleppo nach Hama…

 

Da wir bereits am 23. November um 14.00 Uhr Homs erreicht haben, sind wir noch mit einem Bus zur „Krak des Chevaliers“ gefahren, um dort die bekannte Burg (die sogenannte „Krak“) zu besichtigen...

 

 

….. Für uns ein weiterer Höhepunkt unserer Reise! - Wir konnten viele Aufnahmen machen und so unsere Eindrücke auf Bild festhalten. Um 16.00 Uhr, als die Burg geschlossen wurde, fuhren wir nach Homs, um uns dort ein Quartier zu suchen, das wir wieder für längere Zeit nutzen wollten. Nach mehreren Anläufen fanden wir schließlich ein Hotel, das unseren Vorstellungen entsprochen hat. - Jeder von uns bekam ein Einzelzimmer in ruhiger Lage mit Halbpension.

 

Nach einer entspannten Nacht haben wir am nächsten Tag gleich einen Bus gesucht, der uns zum 150 Kilometer entfernten Palmyra bringen sollte. - Palmyra gilt als Pflichttermin für jeden Syrien-Besucher. Ein Kulturschatz der Extraklasse wartete auf uns, entdeckt zu werden. Da wir zu Fuß diese umfangreichen Anlagen niemals komplett besichtigen hätten können, organisierten wir uns ein Taxi, das uns zu den wichtigsten Plätzen brachte. Wir kamen aus dem Staunen nicht heraus, was hier alles schon um die Zeit 1.000 nach Christi entstehen konnte... Von weitem konnten wir schon die Burganlage sehen, die in voller Pracht aus allem hervorsticht...

 

 

Es ist sehr beeindruckend, wie viele Prunkbauten hier gestanden haben …. auch die noch  erkennbaren Überreste der alten Anlagen versetzten uns in Staunen....

 

Übrigens, Otto wird von uns auch „Fotomann“ genannt, weil er jedes Motiv von allen Seiten her genau begutachtet, bevor er ein Foto schießt... - Dabei kann es schon mal passieren, dass wir ihn für kurze oder auch längere Zeit aus den Augen verlieren… Dank dem Handy haben wir uns aber immer wieder gefunden... - Wir hatten unseren Taxifahrer für drei Stunden gebucht und mussten daher trachten, dass wir in diesen drei Stunden so viel wie möglich sehen… Für unseren Otto war das natürlich eine Qual und „Zumutung“, da er bei dieser Fülle an wertvollen Motiven viel mehr Zeit zum Fotografieren gebraucht hätte.

 

Für folgende Aufnahmen blieb uns dann doch noch Zeit:

 

 

Als am Abend die Sonne im Begriff war, unterzugehen und uns ihre letzten wärmenden Strahlen schenkte, waren wir sehr glücklich. - Dankbar, dass wir in dieser kurzen Zeit so viel sehen durften und unsere vielen herrlichen Fotos machen konnten.... Sogar Otto war mit der Ausbeute seiner Schnappschüsse zufrieden....

 

So haben wir Palmyra um 17.00 Uhr bei Dunkelheit wieder verlassen und sind mit dem Bus zurück nach Homs gefahren… Und wieder einmal ist ein Tag mit herrlichen Eindrücken für uns zu Ende gegangen. - Wir können voller Ehrfurcht einfach nur dankbar sein.

 

Wir haben dann am Donnerstag, den 25. November, unsere Pilgerreise in Richtung Damaskus fortgesetzt. –

 

 

Unser Bestreben war es, nächste Woche, am Donnerstagabend in der Stadt einzutreffen. Es war uns bewusst, dass uns etwa 170 Kilometer von Damaskus trennen. Wir mussten daher unsere Etappen so planen, dass wir schon bis Samstag den 27. November etwa 80 bis 90 Kilometer geschafft haben. Nur so schien uns dieses Vorhaben umsetzbar….

 

….Wir schreiben nunmehr den 27. November, …. wir sind aber noch immer 90 Kilometer von Damaskus entfernt. Unser vorgenanntes Ziel haben wir fast, aber nicht ganz erreicht... Der Zeitplan sagt uns, dass wir uns deshalb in Damaskus mit den Besichtigungen etwas einschränken werden müssen.

 

Die 80 Kilometer die wir in den vergangenen drei Tagen gepilgert sind, waren wiederum geprägt von karger Landschaft...

 

 

… und Autofriedhöfen der besonderen Art…;

 

 

… die Temperaturen waren warm und angenehm…. es gab wieder viele Begegnungen mit Kindern....

 

 

Auch ein Motorradfahrer wäre uns als Taxi zur Verfügung gestanden, hätten wir sein Angebot angenommen...

 

 

Aber wir bleiben unseren Grundsätzen treu! - Schiff und Traktor sind in Ordnung... Es wird auch nicht lange überlegt, wenn mal ein Güterzug stehen bleibt, dem wir winken…Ja, dann steigen wir einfach ein… Ist aber erst einmal passiert… und dieses Glück wird uns wahrscheinlich auch nicht mehr so schnell wieder zuteil werden...

 

Nach 15 Kilometern haben wir uns eine Rast bei einer Bäckerei gegönnt.

 

 

Nach dieser Pause haben wir schnellen Schrittes unsere 26 Kilometer zurück gelegt. Wir müssen nun danach trachten, dass wir ein Fahrzeug finden, das uns wieder nach Homs zurück bringt. Einmal werden wir unser dortiges Basislager noch nützen. Auch das Wochenende werden wir noch in Homs verbringen, mit Kirchenbesuch und Zeit zum Ruhen, Ruhen und wieder Ruhen ….; damit wir am Montag fit sind, wenn es gilt, unser nächstes Ziel, Maalula zu erreichen.

 

Maalula ist ein Bergdorf bzw. eigentlich schon ein kleines Städtchen….,

 

 

 … in dem sich das bekannte „Kloster-Sergios-und-Bacchos“ und die „Kilise der hl. Takla“ befinden. - Diese Felsenkirche gilt auch als eine der ältesten der Welt.

 

 

Bevor wir nach Maalula kommen, müssen wir noch einen Pass überwinden, der auf fast 2000 Metern Seehöhe liegt...

 

Montag, 29. November 2010, „ ... Homs ade ..., Maalula wir kommen ...“

 

 

Nach einer sehr anstrengenden Wanderung merken wir, dass uns die Zeit knapp wird. - Wir müssen erkennen, dass wir den 2000 Meter hohen Pass nicht mehr schaffen werden und dass wir Maalula nur mehr per Autostopp erreichen können. - Also beschlossen wir, unsere bewährte Autostopp-Taktik anzuwenden... Busse verkehren hier nur ganz selten und auch nur wenige Pkw sind unterwegs.

 

Aber trotz allem, … von da an ging es Schlag auf Schlag …: Das erste Auto stoppt, … wir steigen ein, … nach zwei Kilometern biegt dieses Auto rechts ab und wir müssen raus.... Im gleichen Moment aber stoppt schon das nächste Auto und nimmt uns auf die Passhöhe mit.

 

 

Leider muss dieses Fahrzeug aber nach links abbiegen..... Aber wiederum das gleiche Procedere: Raus aus dem Auto… und keine zwei Minuten später hält auch schon eine prachtvolle Luxuslimousine mit einem gut gekleideten Mann (mit Anzug und Krawatte) hinter dem Lenkrad …... Wir schilderten ihm kurz unser Anliegen…, nach Maalula zu kommen, um dort ein Quartier zum Schlafen zu finden. Wir wussten auch, dass sowohl im Kloster als auch in einem 4-Sterne-Hotel eine solche Möglichkeit bestehen würde.

 

Für die erste Nacht entschieden wir uns aber … für das Hotel, …. sollte der Preis nicht allzu hoch sein … Deshalb wurden wir auch gleich direkt zum Hotel gefahren. Dort angekommen einigten wir uns nach längerem Feilschen auf einen Preis, der für beide Teile akzeptabel war. Ein wunderbares Abendessen und ein traumhaftes Zimmer ließen unseren Pilgertag so ausklingen, wie wir es uns scheinbar verdient hatten …...

 

Am nächsten Morgen um 08.00 Uhr sind wir ohne zu Frühstücken raus und haben uns vom Hotelbus, ohne unseren Rucksack, zu der Stelle bringen lassen, an der wir am Vortag in das erste Auto gestiegen sind. Das heißt, sieben Kilometer hinauf auf den Pass und auf der anderen Seite nochmals fünf Kilometer hinunter.... Diese Strecke dann zu Fuß zurück …. Das war für uns ohne Rucksack kein großes Problem; ….ein wunderschöner Morgenspaziergang sozusagen.... So waren wir dann um 11.00 Uhr wieder im Hotel, wo wir nach einer kurzen Dusche noch ein gutes Frühstück genossen haben. - Dann packten wir unsere Rucksäcke und ab ging´s ins Kloster ….

 

 

Nachdem wir uns vorgestellt und unseren Pilgerweg geschilderten hatten, ist uns sofort ein Quartier angeboten worden. Da wir zwischendurch immer wieder auf unsere „Sparvariante“ zurückgreifen müssen, haben wir dieses Angebot selbstverständlich sehr gerne angenommen. Jeder von uns hat ein Einzelzimmer bekommen. Wir stellten unsere Rucksäcke nur kurz im Zimmer ab und brachen gleich darauf zu unserer Nachmittags-Wanderung auf; vom Kloster aus durch die wildromantische Takla Schlucht ….

 

 

…. zur „Takla Kilise“ und von dort ins Zentrum von Maalula zurück ....

 

 

Da wir an diesem Tag noch 10 weitere Kilometer brauchten, sind wir noch weiter in Richtung Jub'adin gewandert.

 

 

 

Als schon die Dunkelheit hereinbrach, sind wir per Minibus zurück nach Maalula. Wir wussten, dass wir im Kloster kein Abendessen bekommen konnten, also haben wir uns ein nettes Speiserestaurant gesucht und auch gefunden.

 

Da die Takla Schlucht in der Nacht beleuchtet ist, sind wir auf dieser Route auch noch zurück gegangen...

 

 

Die Zeit war zwar schon sehr fortgeschritten, doch zum Schlafen war es uns noch immer zu früh …. Also sind wir auch noch kurz in das Hotel gegangen, wo wir am Vorabend übernachtet hatten. - Um 23.00 Uhr schließlich sind wir frohen Mutes Richtung Kloster zurück marschiert …... Doch siehe da, …. alles war versperrt ….! Keine Glocke, ... keine Möglichkeit, irgendwie jemanden zu wecken... - Erst zu diesem Zeitpunkt wurde uns bewusst, das im Kloster doch andere Sitten herrschen…

 

So haben wir nur mehr einen Ausweg gesehen…, nämlich nochmals in unserem 4-Sterne-Haus einzuchecken... Wir haben mit dem Portier verhandelt und wollten für diese eine Nacht ein Drei-Bett-Zimmer zu einem Sonderpreis bekommen…; unser Ansinnen stieß aber absolut auf keine Gegenliebe...

 

Zum Glück hatte Otto eine glorreiche Idee! Spontan äußerte er den Wunsch: „Könnte nicht jemand vom Hotel im Kloster anrufen…?!“ - Gesagt – getan! Man kam unserem Anliegen freundlichst nach … und schon hatten wir den Priester unseres Klosters am Telefon.... In Englischer Sprache war es uns möglich, ihm kurz unser Problem zu schildern. Unser Gegenüber war zwar verständlicherweise „sehr kurz angebunden“ …., aber schließlich hieß es doch, „das Tor ist offen“..... Gott sei Dank!

 

Mit schlechtem Gewissen, aber heilfroh, dass wir unsere Herberge überhaupt betreten durften, eilten wir zurück ins Kloster. Der Priester war für ein klärendes Gespräch absolut nicht mehr aufgelegt. Vielmehr gab er uns zu verstehen, „dass er sehr sauer auf uns ist!“ –

 

Am Morgen danach wurden wir genauer aufgeklärt: Wir hatten unseren Pass nicht abgegeben und keiner aus dem Kloster wusste, wo wir hingegangen sind. Auch informierte man uns noch, dass wir unter Beobachtung der Geheimpolizei stehen würden und merkte noch an, „dass uns scheinbar nicht bewusst ist, was das heißt“ …... Trotz allem erhielten wir unser Frühstück und durften uns auch noch voller Dankbarkeit und doch in Frieden verabschieden. – Nun ja, das war wahrlich eine Erfahrung für uns, wie wir sie auf unserer Pilgerreise noch nicht erlebt hatten.

 

Am 1. Dezember sind wir dann um 09.00 Uhr von Maalula abgereist. Wir durften viele wertvolle Eindrücke aus diesem wunderschönen Bergstädtchen mitnehmen.

 

 

Nächstes Ziel an diesem Tag war Saydnaya. Die kleine Stadt liegt zwischen Maalula und Damaskus, etwa auf 1.500 Metern Seehöhe. Das Besondere daran ist eine große Klosteranlage in der Stadt und eine weitere auf dem Gipfel des höchsten Berges der Gegend, dem 2000 Meter hohen Cherubim-Berg (benannt nach der Engelart der Cherubim).

 

Die Besichtigung der beiden Klosteranlagen war ein weiterer Fixpunkt auf unserer Pilgerschaft.

 

Auf der Kreuzung in Saydnaya angekommen, genau dort wo der Weg über eine sieben Kilometer lange Straße zum Bergkloster führt, stellten wir unsere Rucksäcke ab und wollten eine kurze Pause zu machen. Als aber eine Großraum-Limousine angefahren kam, machte Johannes ein kurzes Handzeichen: Das Auto hielt an und ein eleganter Mann sowie eine bildhübsche Frau schauten uns fragend an.... Johannes äußerte „unsere Anliegen“ …. und schon wurden wir aufgefordert, mit zu fahren…

 

Auf der Berghöhe angekommen, konnten wir das Ausmaß dieses Klosters erst in vollem Umfang erkennen. Wir stiegen aus und nahmen an, unsere beiden zuvorkommenden Helfer würden auch das Fahrzeug verlassen, ….. aber nein, sie sind gleich wieder talwärts zurück gefahren. Es stellte sich heraus, dass sie sozusagen eine „Sonderfahrt“ für uns durchgeführt hatten.... Ein freundliches Lächeln, das man uns bei der Verabschiedung zusätzlich geschenkt hatte, stimmte uns besonders glücklich und zufrieden.

 

Genau so kamen wir zu unserer Klosterbesichtigung... Kein einziges Auto weit und breit war zu sehen; es schien, als wären wir die einzigen in dieser riesigen Anlage.

 

 

Doch nein…., eine Tür geht auf und ein Mönch kommt auf uns zu... Wir kommen gleich ins Gespräch... Dabei erfahren wir, dass hier im Kloster acht Mönche leben und die Anlage gerade im Umbau begriffen ist, um für den Tourismus attraktiv gemacht zu werden.

 

Schließlich werden wir auch noch auf einen Schnaps eingeladen. Als wir gerade gemütlich beisammen sitzen, geht die Tür auf und zwei Männer treten ein. Eine kurze gegenseitige Vorstellung und wir wussten ein wenig voneinander Bescheid ….: Bei den Männern handelte es sich um einen Kanadier und einen Einheimischen. Beide hatten mit dem Umbau des Klosters zu tun und waren von unserer Reise sehr beeindruckt.

 

Überdies stelle sich nach kurzer Zeit heraus, dass sie wieder zurück nach Saydnaya fahren würden und uns mit hinunter nehmen könnten. Dieses Angebot haben wir nur zu gerne angenommen... - Das war aber noch nicht alles! - Der Mann aus Saydnaya, dessen Namen wir gar nicht kennen, bot uns auch noch an, dass er uns in der Stadt direkt zum Kloster bringen würde. Er riet uns auch, uns dort nach der „Mutter Elisabeth“ zu erkundigen, von der wir sicher ein Pilgerquartier bekommen würden.

 

Nach erfolgter Besichtigung des Bergklosters kamen wir somit wieder sehr bequem vom Berg herunter. Unten in der Stadt angekommen, vor dem dortigen Kloster, verabschiedeten wir uns herzlich und mit aufrichtiger Dankbarkeit! Somit waren wir wieder alleine, standen wiederum vor einer riesigen Klosteranlage...

 

 

Über viele Stufen hinauf ging es weiter, auf der Suche nach „Mutter Elisabeth“. Nach mehrmaligem Fragen führte uns der Weg immer weiter in die Klosteranlage hinein. Kurz darauf wurden wir freundlichst begrüßt und eine Schwester bot uns auch gleich ein Pilgerquartier an, ohne dass wir konkret darum gefragt hätten …. Wir erkundigten uns daher, ob die freundliche Schwester „Mutter Elisabeth“ selbst sei, was von der anderen Schwester mit einem Lächeln bejaht wurde. –

 

Bald merkten wir aber, dass man sich einen kleinen Spaß mit uns machte …... Die beiden Schwestern waren jung und hübsch, … eigentlich nicht so wie man sich eine Oberin bzw. „Mutter Elisabeth“ vorstellte... Gleichzeitig kam aber auch die echte ehrenwerte „Mutter Elisabeth“ selbst auf uns; auch sie schenkte uns ein herzliches Lächeln zur Begrüßung. Natürlich gab auch sie ihre Zustimmung zu unserem Pilgerquartier. - Die beiden jungen Schwestern brachten uns dann auf unsere Zimmer; … für Johannes und Otto ein Doppel-, für mich als „leichten Schnarcher“ ein Einzelzimmer. - Schließlich haben wir unsere Rucksäcke abgestellt …. und „pilgerten gleich wieder weiter“ ….

 

Wir brauchen ja noch Kilometer, um unserem Plan gerecht zu werden. Beim Pförtner erkundigten wir uns vorsorglich, wann das Tor geschlossen wird, …. damit es uns nicht wieder so ergeht, wie in Maalula, als wir mit unseren Problemen vor verschlossener Pforte gestanden sind... Er teilte uns mit, dass zwar um 21.00 Uhr abgesperrt wird; falls wir aber später kommen würden, bräuchten wir nur zu klopfen, dann wird uns extra aufgesperrt. Jedenfalls sollte es aber nicht später als 23.00 Uhr werden …... - Mit diesen Vorgaben konnten wir gut leben und sind frohen Mutes in unsere zweite Tagesetappe gestartet. Wie erwähnt, brauchten wir noch gut sieben Kilometer, damit wir am nächsten Tag Damaskus erreichen konnten: Denn dort wurden wir schon von unserem Quartiergeber, Herrn Anton Rettenbacher, erwartet.

 

Nachfolgend eine kurze Erklärung, wie es zu diesem Quartier in Damaskus gekommen ist::

 

Eines Tages erhielten wir eine Nachricht per E-Mail von einem gewissen Anton Rettenbacher... Darin stelle er sich uns kurz vor und teilte uns mit, dass er als Commercial Attache´ für die Österreichische Handelskammer in Damaskus arbeitet. Er könne uns für die Zeit, in der wir in Damaskus sein würden, ein Quartier anbieten... Zwei Gäste von ihm hatten uns in Palmyra kennen gelernt, wo wir ihnen unsere Jerusalem-Aufkleber geschenkt haben, damit sie unsere Homepage finden können. Auf diese Weise war es auch Toni Rettenbacher möglich, unsere Homepage zu besuchen und uns darauf hin diese Mail zu schicken. - Dieses wunderbare Geschenk konnten wir natürlich nicht ausschlagen und haben uns dann gleich bei ihm gemeldet… - Ja man glaubt es kaum…, so einfach funktioniert es, wenn es richtig läuft, … „und wenn´s läuft, dann läuft´s …“

 

Nachdem wir unsere sieben Kilometer marschiert waren, sind wir bei Dunkelheit mit einem Minibus wieder zurück nach Saydnaya. Bevor wir uns jedoch im Kloster zurück gemeldet haben, sind wir noch auf ein kleines Abendessen in die Stadt und dann in ein Internet-Café, um an unseren Berichten zu arbeiten. Um 22.30 sind wir schließlich zurück ins Kloster und in unsere Betten....

 

Auf diese Weise vergeht ein Tag nach dem anderen und wir kommen unserem Ziel näher und näher ..., obwohl wir es uns zwischendurch immer wieder angenehm machen und entsprechende Pausen einlegen.

 

 

Syrien hat ja bisher schon mit vielen Höhepunkten und wunderbaren Erlebnissen aufwarten können... Wir lassen uns überraschen, was dieses Land noch alles für uns bereit hält..: Damaskus ..., die Golan-Höhen …., die Paulus-Kirche in Kaukab (dort wo Paulus erblindet ist bzw. wo er seine Bekehrung zu Gott erfahren und damit zum jungen Christentum gefunden hat ...), sowie Dara und Bosra gelten als weitere Fixpunkte auf unserer Pilgerreise.

 

Wir schreiben nunmehr den 2. Dezember 2010 und befinden uns gerade bei unserem Quartiergeber, Herrn Anton Rettenbacher, der uns zur Begrüßung ordentlich bekocht hat: Grießnockerlsuppe…, Schweinebraten mit Salat... und, wie könnte es anders sein…, dazu noch köstliches österreichisches Bier! - Ihr könnt euch gewiss vorstellen, liebe Leser, was es für uns bedeutet hat, nach einer so langen Pilgerreise endlich wieder einmal richtige österreichische Hausmannskost genießen zu dürfen! - Um 01.00 Uhr früh sind wir dann solcherart froh gestimmt in unsere Betten geschlüpft und haben diese recht kurze Nacht so richtig genossen.

 

Den folgenden Tag haben wir für Besichtigungen in Damaskus reserviert: Die „Pauluskirche“, an jenem Ort wo Paulus von Barnabas geheilt wurde, sowie die große „Omayyaden Moschee“ und der „Souk“ (Markt) zählten dabei sicherlich zu den Höhepunkten....

 

 

 

 

 

 

Am 4. Dezember um 10.30 Uhr war es dann wieder soweit, ein neues Abenteuer wartete auf uns: Oberstleutnant Wolf vom österreichischen Kontingent der UNO-Friedenstruppen holte uns von unserem Quartier ab und brachte uns mit einem UN-Auto zu den Golanhöhen. - Der folgende Besuch der „Blauhelme“ auf dem Golan wird immer einen besonderen Stellenwert unserer Pilgerreise einnehmen.

 

 

Jeder von uns hat von Oberstleutnant Wolf zur Erinnerung ein Granatsplitterkreuz erhalten.

 

 

 

Dieses Geschenk haben wir voll Freude in unseren Pilgerrucksack gepackt, obwohl dieser  dadurch wieder ein wenig schwerer geworden ist. Ein besonderes Erlebnis für uns war auch, als wir auf der Grenzstation von Syrien zu Israel von den Grenzsoldaten auf einen Tee eingeladen wurden. Dies war zwar in erster Linie ein Freundschaftsbeweis für Oberstleutnant Wolf, doch wir durften die Nutznießer sein. - Um 19.00 Uhr haben wir die Golanhöhen wieder verlassen und sind zurück nach Damaskus gebracht worden. Wahrlich ein sehr interessantes Erlebnis, das einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Wir wollen uns dafür bei Oberstleutnant Wolf recht herzlich bedanken, va. aber auch für seine Gastfreundschaft und für sein einzigartiges Geschenk.

 

Heute ist Sonntag - Ruhetag. Wir müssen jedoch die Visa von Johannes und Otto verlängern lassen und deshalb auf die syrische Botschaft. Dank der Unterstützung eines Bediensteten der österreichischen Botschaft ist es gelungen, binnen zwei Stunden die Visa-Verlängerungen zu erhalten.... Ob uns das alleine auch so schnell möglich gewesen wäre, ist zu bezweifeln.... Am Abend haben wir uns noch mit Anton Rettenbacher in einem tollen Speiserestaurant getroffen, wo wir uns mit einer Einladung zum Abendessen ein wenig erkenntlich zeigen konnten....

 

Montag, der 6. Dezember: Es geht weiter Richtung Süden, das Ziel ist die Pauluskirche in Kaukab. Ein Ort, der fast überhaupt nicht bekannt ist, aber auf unserem Weg auf den Spuren des Heiligen Paulus nicht ausgelassen werden darf; … eine wunderbare, neue und moderne Anlage, die es Wert war, besucht zu werden…

 

 

Am Abend sind wir noch ein letztes Mal zurück in unser Basislager. In großer Dankbarkeit haben wir uns dann am Dienstagmorgen von unserem Gastgeber verabschiedet. Wir schuldeten ihm wahrlich großen Dank!

 

 

…. Und weiter geht unsere Reise in Richtung Dara...

 

 

Wir werden Dara zwar heute nicht mehr erreichen, aber wir kommen diesem Ziel immer näher... - Am Weg dorthin machten wir wieder unsere Fotos, …. von der wundervollen Natur ebenso wie einer Vielzahl an weiteren Motiven, die es wert waren, festgehalten zu werden...

 

 

 

…..und besonders die Kinder haben uns immer wieder fasziniert …...

 

 

 

Doch plötzlich kommt ein Mann auf uns zu: „No photos please, Polizei“…, herrscht er uns an… - Wir waren vollkommen überrascht, weshalb wir auf einmal nicht mehr fotografieren durften, wo doch kein Sperrgebiet erkennbar oder sonstige Polizei- oder Militärkasernen in Sichtweite waren. Wir packten trotzdem unsere Fotoapparate ein und ließen es gut sein…

 

Gleich danach machten wir eine kleine Rast. Der Geheimpolizist blieb immer in unserer Nähe. Schließlich, als wir gerade aufbrechen wollten, verlangte er unsere Pässe! Es wurden Kopien davon gemacht, die wir auch noch selbst bezahlen mussten. Erst als das ganze Procedere vorbei war, durften wir weiter. - Ein weiterer Zwischenfall, den wir in dieser Form noch nie erlebt hatten, …. aber das war noch nicht alles...

 

Da wir an diesem Tag noch einige Pilgerkilometer brauchten, wanderten wir bis in die Nacht hinein. Es war schon stockdunkel, als wir bemerkten, dass wir von einem Auto im Schritttempo verfolgt werden. Wir ließen uns jedoch nicht beirren und gingen wie geplant weiter. Als wir jedoch den nächsten Ort erreicht hatten und schon die Straßenbeleuchtung zu sehen war, kam das Auto plötzlich näher. - Wir erkannten unseren Geheimpolizisten wieder, der uns samt Begleitung gefolgt war. Er gab uns zu verstehen, dass das Gehen in der Nacht verboten sei und wir mit einem Auto weiter müssen... Tatsächlich aber war schon alles vorbereitet: Wir brauchten nur mehr in den PKW steigen und wurden nach Dara gebracht. Vor einem wunderschönen Hotel durften wir aussteigen. Den Preis für den Transport wurde uns vom Polizisten schon vorher bekannt gegeben....

 

Damit eine ganz klare Sache für uns! - Wir waren in Dara, hatten ein Hotel und alles war in bester Ordnung. Was immer auch der Grund für die Kontrolle gewesen sein mag, …. für uns war er nicht weiter wichtig...; für uns zählte nur, dass wir gut in Dara angekommen waren, ein passendes Quartier hatten und vor allem, dass wir gesund waren und allen Grund hatten, froh und gut gelaunt zu sein...

 

Von Dara aus müssen wir uns jetzt noch jeweils zwei Tagesetappen zurück bringen lassen. - Am 9. Dezember haben wir dann um 12.00 Uhr wieder Dara erreicht und sind dann gleich mit dem Bus weiter nach Bosra gefahren, damit wir keine wertvolle Zeit verlieren. - Bosra liegt ca. 40 Kilometer östlich von Dara. Wir freuen uns schon auf die Fotos von diesen wunderbaren Kulturgütern...

 

 

Nach gut zwei Stunden Besichtigung und Fotoshooting fuhren wir abermals zurück nach Dara. Ein eindrucksvoller Pilgertag ist damit wieder zu Ende gegangen. Auch die Sonne zeigte sich bei der Verabschiedung in besonderer Pracht.

 

 

Damit haben wir ein weiteres großes Vorhaben gemeistert: Wir haben ganz Syrien von Nord nach Süd durchwandert. Dabei haben wir etwa 500 Kilometer zu Fuß zurück gelegt, …haben viele Sehenswürdigkeiten sehen dürfen, ….hatten wunderbare Begegnungen mit Kindern und Menschen aus allen Schichten und Altersgruppen, ….. haben vor allem aber auch die Bekanntschaft mit der Geheimpolizei gemacht, was für uns etwas ganz besonderes war… - Ja so ist es, liebe Freunde! Morgen – am 10. Dezember 2010 - werden wir Syrien verlassen und in das nunmehr neunte Land auf unserem Pilgerweg einreisen.

 

Einreise nach Jordanien

 

Persönliche Betrachtung:

 

Wir schreiben nun den 12. Dezember 2010. - Ich sitze gerade in einem Internetcafe in Amman (Jordanien), draußen weht ein kräftiger Sturm und es ist saukalt. Hier im Internetcafe ist es angenehm warm, ich fühle mich wohl. - Ich habe nun meinen mittlerweile fünften Bericht fertig geschrieben und werde nun noch die passenden Fotos suchen, damit die Infos über diese wunderbare Reise, die ich machen darf, auch für meine Freunde, Bekannten und alle Interessierten zur Verfügung stehen.

 

Ich bin dankbar, dass ich Johannes und Otto vor nunmehr gut sechs Monaten kennen gelernt habe, da ich ohne sie niemals so weit gekommen wäre.

 

Vor allem aber schreibe ich diesen Bericht auch für mich persönlich, damit ich diese schönen  und wert(e)vollen Erfahrungen und Erlebnisse später immer wieder abrufen kann. - Es trennen uns nur noch 12 Tage von unserem großen Ziel, von Bethlehem.

 

So Gott will, werde ich am 24. Dezember 2010 gemeinsam mit Otto und Johannes, sowie  meinem Enkelkind Luca und meiner Frau Margarethe Weihnachten feiern dürfen. Zur  Mitternacht wollen wir dann gemeinsam von Bethlehem nach Jerusalem pilgern... Eine wunderbare Vorstellung, ein aufrechter Wunsch, der mich jetzt schon froh und glücklich stimmt.

 

Mit diesen Gedanken schließe ich meinen fünften Bericht und wünsche Euch allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!

 

 

Euer Pilger

 

David

 

 

6. Bericht

 

Werte Leser, … sind sechs Monate eine relativ lange oder eine relativ kurze Zeit?!?!

Wie dem auch sei... Wir schreiben nun schon den 22. Dezember 2010, in zwei Tagen ist Weihnachten! - Das bedeutet, unsere Reise neigt sich langsam dem Ende zu...!

 

Gerade eben befinde ich mich in einem Kibbuz in Kalia, ganz in der Nähe des Toten Meeres. Unsere kleine Pilgergemeinschaft hat hier Quartier bezogen. Es ist dies unsere letzte Station, bevor wir am Vormittag des 24. Dezember nach Bethlehem aufbrechen werden...

 

Doch kurz zurück zu meinem letzten Bericht. - Ihr erinnert euch noch?! - Wir sind soeben in Jordanien eingereist... - Seither hat sich wieder vieles getan, von dem ich euch gerne berichten möchte:

 

Es war uns also problemlos möglich, am 10. Dezember Syrien zu verlassen. Auch in Jordanien konnten wir ohne gröbere Schwierigkeiten einreisen. Allerdings hatten wir  uns dabei an gewisse Vorgaben zu halten:

 

Das „Niemandsland“ zwischen den beiden Landesgrenzen durfte nur mit bzw. in einem Fahrzeug passiert werden, das heißt, nicht zu Fuß! Wir waren deshalb vom guten Willen anderer Reisender abhängig und mussten hoffen, dass uns jemand in seinem Auto mitnimmt... Denn nur so konnten wir diese Strecke von etwa fünf Kilometern bewältigen. Zum Glück aber hatten wir an der Grenzstelle in Syrien einen zuvorkommenden Polizisten kennen gelernt, der sich sogleich um eine Mitfahrgelegenheit für uns bemüht hat. - Und ganz schnell war die Sache dann auch durch einen „kleinen Energieausgleich“ von ein paar Dollar erledigt... Auf diese Art also betraten wir das neunte und vorletzte Land auf unserer Pilgerreise, das Königreich Jordanien!

 

Ohne weitere Komplikationen, bei schönem Wetter und mit hohen Erwartungen im Gepäck setzen wir um 13.00 Uhr unseren Pilgerweg durch den Wüstenstaat fort. Unser Plan sah vor, zuerst in Richtung Jarash (dem antiken Gerasa) zu wandern, einem Ort der von der Grenze ca. 47 Kilometer entfernt lag.

 

 

Von Jarash bis zur Hauptstadt Amman waren es dann noch weitere 85 Kilometer... Wir mussten uns daher eine Gesamtstrecke von 132 Kilometern so aufteilen, dass wir auf alle Fälle am 14. Dezember in Amman eintreffen würden. Nur so war auch alles weitere plangemäß zu bewältigen.

 

In diesem Sinne sollte unsere erste Übernachtung in Jarash erfolgen. Doch in diesem Ort fanden wir kein passendes Hotel... Wir haben daher entschieden, uns gleich direkt nach Amman bringen zu lassen. Die Freude war groß, hier sofort ein geeignetes Hotel gefunden zu haben. Doch leider stellte sich heraus, dass im Keller des Hauses eine Discothek untergebracht war.... und wir daher nachts auch im Bett noch tanzen hätten können...

 

Wen wundert´s daher, dass wir unser Zimmer am nächsten Tag fast fluchtartig verlassen haben und uns gleich wieder auf Quartiersuche begeben haben?! Wir sind ja schließlich Pilger und keine Nachtschwärmer... - Doch Spaß beiseite; ein Taxifahrer brachte uns in die Nähe der österreichischen Botschaft, wo wir schließlich eine wunderbare Bleibe ausfindig gemacht haben. Da wir dieses Hotel ja als Basislager für Jordanien nutzen wollten, sollten wir uns darin auch richtig wohl fühlen können...; und genau dieses gute Gefühl hatten wir dann auch!

 

Von hier aus haben wir dann unsere jeweiligen Pilger-Etappen gestartet. - Am Sonntag hielten wir unseren üblichen Ruhetag ein, doch am Montag gab es dann unerwartet Regenwetter... Doch wie alles im Leben hat auch jede miese Situation ihre guten Seiten: So haben wir daher den zusätzlichen freien Tag für Arbeiten auf unserer Homepage genutzt... Und am Dienstag war dann das Wetter wieder wunderschön!

 

 

 

Am Mittwoch, den 15. Dezember 2010, um etwa 13.00 Uhr, haben wir schließlich Amman „auch zu Fuß“ erreicht. Somit können wir jetzt unseren Pilgerweg in Richtung Westen fortsetzen; der Norden des Landes war also abgehackt…

 

Und noch eine Neuigkeit! Ab jetzt waren wir zu viert unterwegs: Alfred, ein Freund und Berufskollege von Johannes und Otto, war eigens aus Österreich mit dem Flugzeug angereist und hat bereits im Hotel auf uns gewartet. „Fred“, wie wir ihn nannten, wird uns ab jetzt bis nach Jerusalem begleiten.

 

 

Nach einer kurzen Pause haben wir, wie erwähnt, Amman in Richtung Westen verlassen. Unser nächstes Ziel war es, in den kommenden Tagen den geschichtsträchtigen Berg Nebo zu erreichen: Der Überlieferung nach ist dies jener Berg, von dem aus Moses das gelobte Land sehen durfte, … aber sterben musste, ohne es selbst je betreten zu haben.

 

Der Weg den wir gewählt haben, verlief „quer Feld ein“... Orientierung verschafften wir uns durch Zuhilfenahme des Kompass. Aber genau das hat uns letztlich in große Schwierigkeiten gebracht: Ohne „Vorwarnung“ war uns der Weg plötzlich durch einen hohen Zaun versperrt! Nach genauerer Betrachtung haben wir aber eine Stelle entdeckt, an der der Zaun schon einmal geöffnet worden war. Deshalb konnten wir auch unsere „Zwickzange“, die wir für solche Fälle mitgeführt hatten, in der Tasche lassen und brauchten den Draht des Zaunes nur mehr entsprechend zurecht biegen.

 

 

Schließlich war es uns möglich, durch diese Öffnung unsere Wanderung fortzusetzen. Mittels eines kunstvollen Drahtgeflechts haben wir den Zaun wieder ordnungsgemäß verschlossen... und weiter ging es zum Berg Nebo.

 

Diesen Ort hat seine Heiligkeit Papst Johannes Paul II im Jubiläumsjahr 2000 einen Besuch abgestattet; er hat dort als Zeichen des Frieden einen Olivenbaum neben der byzantinischen Kapelle gepflanzt. Die religiöse Bedeutung des Berges Nebo wurde auch von Papst Benedikt XVI. bei seiner Pilgerreise zu den Heiligen Stätten im Mai 2009 hervorgehoben.

 

 

Landschaftlich bemerkenswert ist vor allem, dass man aus Richtung Amman kommend den Berg Nebo gar nicht sieht...

 

 

Denn eigentlich ist es so, dass man zum Berg Nebo „hinab“ wandern muss... Dies deshalb, da der Weg von Ost nach West bereits auf 500 Metern Seehöhe beginnt und der Berg dann an seiner Westflanke bis auf 400 Meter unter den Meeresspiegel abfällt. Daraus ergibt sich der Höhenunterschied von 900 Metern. Dieser kann aber nur vom Jordantal aus überblickt werden.

 

Bevor wir jedoch zu diesem Punkt kamen, haben wir unsere Tagesetappe beendet und sind wieder zurück nach Amman in unser mittlerweile sehr bewährtes Basislager. Am nächsten Tag sind wir etwas früher als üblich aus den Federn, … da der Berg Nebo und die Stelle, an der Johannes der Täufer Jesus getauft haben soll, „schon auf uns gewartet haben“...

 

In großer Vorfreude und voller Erwartungen haben wir uns an der Stelle, an der wir am Vortag unsere Pilgerschaft unterbrochen hatten, von unserem Taxifahrer verabschiedet. Wir wollten so schnell wie möglich an den Ort gelangen, wo wie beschrieben die Westflanke des Nebo 900 Höhenmeter abfällt... Und wir hatten tatsächlich nicht zu viel erwartet: Es bot sich uns ein wunderbarer Ausblick auf das Jordantal!

 

 

Bei guter Sicht kann man hier sowohl das Tote Meer, als auch Bethlehem und sogar Jerusalem erblicken. Wir hatten zwar schönes Wetter, aber die Sichtverhältnisse waren nicht ganz so gut, dass wir alles hätten sehen können..., schade! - Von der Lage und dem Ausblick waren wir aber trotzdem fasziniert!

 

 

Nachdem wir unsere Fotos gemacht und die Anlage besichtigt hatten, sind wir frohen Mutes wieder aufgebrochen. Wir nahmen uns jedenfalls vor, diese 900 Höhenmeter im wahrsten Sinne des Wortes zu „genießen“... Und es ergab sich tatsächlich eine traumhaft schöne Wanderung bei tollem Wetter und Temperaturen wie im Hochsommer. Es war uns nicht nur vergönnt, die faszinierende Natur in all ihrer Pracht zu bewundern, sondern wir durften auch die immer wieder auftauchenden Nomadenbehausungen, Kinder, Kamele und Schafherden fotografieren.

 

 

Um 12.30 Uhr haben wir dann die Talsohle erreicht, sie liegt 370 Meter unter dem Meeresspiegel! - Um zu neuen Kräften zu kommen und unsere Energiereserven wieder aufzufüllen, haben wir uns wieder einmal unsere bewährten „Panaceo“ Kapseln genehmigt, die wir seit Beginn unserer Reise sehr regelmäßig, dreimal pro Tag genossen haben. - In diesem Zusammenhang möchte ich mich auch ausdrücklich bei Herrn Raschan Jakob bedanken, der uns in großzügiger Weise diese Muntermacher zur Verfügung gestellt hat! - Über Energielosigkeit hatten wir auf unserer Reise wahrlich nie zu klagen!

 

 

Um 14.00 Uhr waren wir endlich an jener Stelle angelangt, an der Johannes der Täufer Jesus Christus getauft haben soll. Der historische Wahrheitsgehalt solcher Überlieferungen kann zwar nicht immer zu 100 Prozent bewiesen werden..., für eine Region wie diese sind solche Legenden oder Annahmen jedoch von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Man hat daher in letzter Zeit auch diesen Ort touristisch immer intensiver und besser vermarktet. Allerdings hat uns persönlich der dort betriebene „Kommerz“ weniger begeistert... Dennoch ist va. der ideelle Wert dieser Anlage nicht hoch genug einzuschätzen, sollte die Überlieferung tatsächlich stimmen.

 

 

Nach exakt 40 Minuten, die Besichtigung war zeitlich begrenzt, haben wir diesen Ort wieder verlassen und weiter ging es auf unserem Pilgerweg.

 

 

Wir wollten ja über die Hauptstraße wieder zurück nach Amman. Von dieser waren wir aber noch einige Kilometer entfernt...!. Es wurde uns deshalb sehr bald klar, dass wir die letzten Kilometer wieder bei Dunkelheit zurücklegen müssen. Da wir aber auf Grund unserer bisherigen Erfahrungen bereits echtes Gottvertrauen entwickelt hatten, waren wir überzeugt davon, dass uns zum richtigen Zeitpunkt schon das passende Fahrzeug „geschickt“ werden würde! - Und tatsächlich, so war es dann auch:

 

An der Kreuzung zur Hauptstraße angekommen, stoppten wir einen Pkw mit offener Ladefläche, auf die wir auch sofort aufsteigen durften. Auf diese Weise legten wir ca. fünf Kilometer bis zum nächsten Ort zurück, wo – siehe da - bereits „zufällig“ ein freies Taxi auf uns wartete, das uns zurück in unser Hotel brachte...

 

Um 19.00 Uhr saßen wir bereits gemütlich im Restaurant und hatten guten Grund, den gelungenen Tagesabschluss bei einem feinen Bierchen zu feiern. Es ist nunmehr Samstag, der 15. Dezember 2010; und Jordanien ist für uns fast schon wieder Geschichte. Wir stehen knapp vor der Einreise in unser zehntes und damit letztes Land, nämlich nach Palästina/Israel. Wie gesagt, Grund genug, „darauf anzustoßen“... - Die Erfüllung eines weiteren großen Wunschtraumes von mir liegt aber noch vor uns: Der Besuch der verlassenen Felsenstadt Petra, der für morgen Sonntag, den 16. Dezember, geplant ist.

 

Abfahrt um 06.30 Uhr; Otto, Alfred und ich stehen pünktlich am Busbahnhof. - Johannes wird nicht dabei sein; er will die Besichtigung von Petra zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Er erwartet für den Jahreswechsel Besuch und möchte dann diesen Ort zu zweit, ohne seine Pilgerkollegen, erkunden.

 

Wir sind schließlich leicht verspätet mit dem Bus von Amman in Richtung Petra abgefahren. Um 10.00 Uhr trafen wir in der antiken Felsenstadt ein und hatten dann bis 16.00 Uhr Zeit, dieses weltbekannte Kulturerbe zu besichtigen. Petra war in der Antike die Hauptstadt des Reiches der Nabatäer und wurde im Jahre 2007 zu einem der sogenannten „Sieben neuen Weltwunder“ gewählt.

 

Uns war bewusst, dass für eine vollständige Besichtigung dieser beeindruckenden Anlage die Zeit sehr knapp werden würde; wir wollten uns daher auch keine Pause gönnen. So waren wir dann ständig unterwegs, um alle wichtigen Stationen zu erreichen und unsere Fotos zu machen. Pünktlich um 16.00 Uhr saßen wir wieder im  Bus, 240 Bilder im Kasten und bleibende Eindrücke in unserem Bewusstsein; Eindrücke, die kaum mehr zu Toppen sein würden... Einige dieser wunderbaren Aufnahmen möchte ich euch im folgenden gerne zeigen:

 

 

Eine ganz besondere Faszination haben auf mich die kunstvollen Felsen-Motive in all den unterschiedlichsten Farben ausgeübt; sie stammen wahrlich aus einer „göttlichen Kunstwerkstatt“ ….

 

 

Nach diesem Erlebnis ging es zurück in unser Basislager. Wieder hatten wir einen guten Grund, uns noch gemütlich zusammen zu setzen und den Tag bei gutem Essen und dazu passenden Getränken ausklingen zu lassen. Vielleicht mag es euch schon so erscheinen, liebe Leser, als ob wir diesen wunderbaren Pilgerweg nur zum Feiern genutzt hätten...?! - Dem war natürlich nicht so! - Feiern gehört jedoch wie überall im Leben genauso dazu wie Entbehrungen, Anstrengungen und auch Schmerzen, die man manchmal auf sich nehmen muss. Von all dem haben wir auf dieser Pilgerreise so einiges erfahren dürfen...

 

Ja, die Zeit schreitet voran und wir denken schon ans Rucksack packen. Bereits morgen werden wir Amman, damit auch unser Basislager, wieder verlassen. Zuvor besuchen wir aber noch die österreichische Botschaft! Auch werden wir einen Stempel in unseren Pilgerpass eintragen lassen und die Zitadelle von Amman besichtigen. Mit diesen Plänen im Kopf begeben wir uns ein letztes mal auf unser schon vertrautes Zimmer, um noch einmal eine Nacht in diesem wunderbaren Bett zu genießen. Für morgen haben wir geplant, um 10.00 Uhr, ohne vorherige Terminvereinbarung, „einfach so“ in der Botschaft zu erscheinen... Wir sind schon sehr gespannt, wie man uns empfangen wird...

 

Montag, 17. Dezember 2010, es ist soweit..., österreichische Botschaft in Amman: Johannes läutet, stellt sich kurz vor und nennt den Namen „Irene Schauer“; jene Dame mit der Johannes vor der Pilgerreise korrespondiert hat... Und siehe da, sofort werden wir aufs herzlichste empfangen und zu Kaffee und Manner-Schnitten eingeladen. Für uns war es eine besondere Freude, dass sich auch der österreichische Botschafter in Jordanien, Herr Franz Hörlberger, zu uns gesellt und sich mit uns über unsere Pilgerreise unterhalten hat. Nachdem man uns erlaubt hat, dabei auch unsere Fotos zu machen, verabschiedeten wir uns mit den besten Weihnachtswünschen und einem herzlichen „Dankeschön“ von den Mitarbeitern und vor allem bei Irene Schauer-Larimian und dem Botschafter Franz Hörlberger.

 

 

Für diesen improvisierten Kurz-Besuch sind wir natürlich sehr dankbar, vor allem auch dafür, dass alles so einfach und problemlos abgelaufen ist.

 

Nach dieser netten Begegnung haben wir uns von „unserem Taxifahrer“, der sich mittlerweile auch schon an uns gewöhnt hatte, zur Zitadelle bringen lassen. Eine halben Stunde später hatten wir auch hier unsere Bilder gemacht; auch schöne Aufnahmen vom Theater und der Stadt Amman, aus einer Perspektive, wie wir sie  bisher noch nie gesehen hatten...

 

 

Bald stiegen wir wieder ins Taxi und ließen uns bis kurz vor die „König Hussein Brücke“ (Allenby Bridge = King Hussein Bridge) bringen, über die wir dann Jordanien verlassen haben, um nach Palästina einzureisen. Dieses Prozedere hat aber viel Zeit in Anspruch genommen... Volle drei Stunden haben wir gebraucht, bis wir endlich Palästina betreten durften. Da wir aber schon vorher wussten, dass es hier etwas länger dauern könnte, hatten wir uns schon gut darauf eingestellt.

 

Und, ihr habt es sicher schon erraten...: Quartiersuche ist wieder angesagt! - Ein neues Land, andere Voraussetzungen, andere Preise...! Das erste Hotel, das man uns gezeigt hat, war eine Bruchbude... Wir sind nicht einmal aus dem Taxi gestiegen... - Ein deutliches „a little more exclusive, please“, zum Taxifahrer und schon ging es weiter zum nächsten Hotel, dem „Jericho Resort“. - Im Resort angekommen..., ausgestiegen, Preis verhandelt..., Zimmer besichtigt... und wieder zurück ins Taxi...! Die Zimmer waren kalt, feucht und ab-gelebt...!

 

Da die Auswahlmöglichkeiten damit schon erschöpft waren, blieb uns nur noch das „Intercontinental Hotel“: Teuer zwar und luxuriös, … dafür aber sauber, sehr exklusiv und echt gut... Eine Nacht werden wir uns ja wohl noch leisten können....! Dennoch, morgen werden wir wo anders ein „angemesseneres“ Quartier suchen!

 

Am Morgen des 21. Dezember 2010 geht es gleich noch einmal zurück zum „Checkpoint“, um das Einreisefoto nachzuholen, das uns am Vortag wegen der Dunkelheit nicht mehr möglich war. Die Grenzsoldaten waren überaus freundlich und haben uns etwas ermöglicht, womit wir absolut nicht gerechnet hatten: Wir durften sogar an „diesen sensiblen Orten“ unseren Fotoapparat auspacken! Die netten Grenzbeamten haben sich sogar für eine Aufnahme extra zu uns gesellt.

 

 

Danke, Danke und nochmals Danke!

 

Danach haben wir unseren Pilgermarsch nach Bethlehem wieder aufgenommen. Nur mehr ca. 60 Kilometer trennen uns noch von der Erfüllung unseres ursprünglich so groß scheinenden Wunsches... Nur mehr wenige Kilometer bis zu unserem anfangs so fernem Ziel, das mittlerweile schon sehr klar und fast greifbar vor uns liegt: Nämlich, am 24. Dezember 2010 in Bethlehem an der Krippe zu stehen...!

 

Um 14.00 Uhr haben wir unseren Weg unterbrochen, um noch kurz ans Tote Meer zu fahren, um dort das Gefühl des schwerelosen Schwimmens kennenzulernen. Für mich war das zwar nichts Neues, da ich schon im Jahr 2009 an dieser Stelle war, … aber für Otto, Johannes und Fred ein völlig neues Gefühl...

 

 

Um 16.00 Uhr haben wir das Tote Meer hinter uns gelassen und sind zu einem Kibbutz gewandert, das uns schon vorher empfohlen wurde. - Ein Kibbutz ist annähernd vergleichbar mit einer Genossenschaft, wobei alle Mitarbeiter am Unternehmen beteiligt sind; … eine Gesellschaftsform, die mir bei näherer Betrachtung sehr interessant erscheint...

 

Wir sind dort in völliger Dunkelheit angekommen und haben uns auf Anhieb wohl gefühlt. Die Unterbringung erfolgte in komfortablen Bungalows zu je zwei Personen. Ein gutes Abendessen rundete diesen erlebnisreichen Tag ab.

 

Zwei Tage also noch, bis wir Bethlehem erreichen! Das heißt, wir werden bis zum 23. Dezember dieses Quartier behalten, bevor wir dann endgültig dort eintreffen.

 

Auf dem Weg nach Bethlehem konnten ich noch einige sehr interessante Fotomotive ausfindig machen:

 

 

Nun sitze ich hier an einem Computer im „Sahara Hotel“, in einem Vorort von Bethlehem, es ist 20.30 Uhr. - Ich schreibe gerade an meinem sechsten und letzten Bericht über unsere Pilgerreise.

 

Meine Frau und mein Enkel Luca sind bereits in Jerusalem angekommen. Wir drei warten schon sehnsüchtig auf den Augenblick, an dem wir uns nach einer so langen Zeit der Trennung endlich wieder umarmen können. Und das wird morgen sein! - Ein Weihnachtsgeschenk der ganz besonderen Art!

 

Meine Pilgerkollegen und ich werden jetzt noch ein nettes Restaurant aufsuchen, um die Erlebnisse des Tages bei einem guten Abendessen und vielleicht auch einem edlen Glas Wein ausklingen zu lassen.

 

…. Ich springe kurz in der Zeit etwas nach vor…: Wir schreiben den 31. Dezember 2010, Silvester. - Ich bin bereits wieder zu Hause in Abtenau und habe mich schon wieder in meiner gewohnten Umgebung eingelebt, … war auch bereits Schi fahren! Meine Frau hat gemeinsam mit unserer Tochter einen kleinen Umtrunk in unserem Wohnhaus mit den engsten Verwandten und Freunden organisiert. Dieses kleine Fest hat bei mir natürlich besonders große Freude ausgelöst und mir das Gefühl gegeben, wieder zu Hause bzw. wieder in meiner gewohnten Umgebung angekommen zu sein.

 

Doch nun wieder zurück nach Bethlehem: Es ist der 24. Dezember 2010, Weihnachten! Ein Datum, das in meinem Leben bestimmt für immer einen besonderen Stellenwert behalten wird! Es ist 10.00 Uhr vormittags: Ich befinde mich auf meinem Zimmer, das Telefon klingelt … und ich erhalte die Nachricht, dass meine Frau und Luca bereits in der Rezeption auf mich warten! - Wahrlich ein Augenblick, den ich in den letzten Monaten schon sehr oft herbei gesehnt habe, auf den ich mich aufrichtigen Herzens gefreut habe! - Und nun endlich war es soweit! Sehnsucht verwandelt sich in Realität! - Ihr könnt euch vorstellen..., natürlich stehen mir Tränen in den Augen, … in dem Moment, in dem ich von Freude überwältigt eine erste Umarmung mit meinen Liebsten nach so langer Zeit genießen darf...

 

Doch schon bald darauf, nach einem kurzem Willkommens-Trunk, sind wir dann alle gemeinsam in Richtung Bethlehem, dem Ziel unserer Pilgerschaft, aufgebrochen; „wir“ - das sind Johannes, Otto, Fred, mein Enkel Luca, Margarethe meine Frau, und ich.

 

 

Es ist wahrlich ein außergewöhnliches Geschenk, gemeinsam und gesund am 24. Dezember 2010 das langersehnte Ziel erreichen zu dürfen! Ein Geschenk, das wir voll Dankbarkeit annehmen durften.

 

 

Dass wir dann auch noch die vom lateinischen Patriarchen Fouad Twal zelebrierte Mitternachtsmette in der „Katharinenkirche“ mitfeiern durften, war eine wundervolle Draufgabe, ein zusätzliches Präsent für uns. Zum Glück hatten wir rechtzeitig die Information erhalten, dass wir per Internet Platzkarten für die Mitternachtsmette bestellen können! Manche nennen das Zufall, für mich war es eine Fügung Gottes!

 

 

In der „Heiligen Nacht“ um 02.30 Uhr sind wir dann noch bis zum Checkpoint gegangen, der Jerusalem von Bethlehem trennt. - An der Ortstafel von Jerusalem war dann endgültig Schluss... Ich verabschiedete mich von meinen Pilgerkollegen und wir fuhren getrennt in unsere Quartiere: Johannes, Otto und Fred ins „Österreich Hospiz“ im Zentrum von Jerusalem, sowie meine Frau, Luca und ich ins „Parkhotel“, das etwas außerhalb des Zentrums liegt... Es war schon ein etwas eigenartiges Gefühl für mich, als nach sechs Monaten ein gemeinsamer Weg zu Ende gegangen ist... Aber noch haben wir ja das letzte Ziel nicht erreicht, nämlich Jerusalem und die Grabeskirche!

 

Am 25. Dezember 2010 haben wir uns daher alle nochmals im Hospiz getroffen und haben gemeinsam in Jerusalem verschiedene interessante Sehenswürdigkeiten besichtigt, bevor wir wieder in unser Hotel zurück gefahren sind.

 

Schließlich am 26. Dezember haben wir den letzten Abschnitt unseres gemeinsamen Pilgerwegs von der Ortstafel Jerusalem aus in Richtung „Kidrontal“ angetreten...:

 

 

… Über das „Kidrontal“ (das ist der Abschnitt zwischen Tempelberg und Ölberg), durch die „Davidstadt“ (die historische Keimzelle Jerusalems) …,

 

 

… vorbei am „Goldenen Tor“ und den muslimischen Gräbern auf der linken Seite,

 

 

… durch den Friedhof der Christen in der Talsohle ...,

 

 

 … vorbei an den jüdischen Gräbern auf der rechten Seite, hinauf zum Ölberg.

 

 

Auf dem Ölberg war ein Besuch in der „Christi Himmelfahrtskapelle“ der Höhepunkt!

 

 

Auch der Blick hinunter nach Jerusalem ist etwas ganz besonderes! Jeder der schon einmal am Ölberg gestanden ist, wird das nur bestätigen!

 

Für mich persönlich war der Blick zum „Goldenen Tor“ wiederum ein starker Impuls, über meinen geplanten „Werteweg“ von Haifa zum Goldenen Tor nachzudenken; ein Vorhaben, das ich für nächstes Jahr in Angriff nehmen möchte...

 

 

… und vor allem ein persönlicher Traum von mir, wie ich ihn bereits in meinem zweiten Bericht beschrieben habe...

 

Der letzte Abschnitt unseres Weges führte uns hinunter zum Fuße des Ölbergs und auf der gegenüberliegenden Seite wieder hoch zum Löwentor, und schließlich zur Grabeskirche: Nachdenklich und voller Dankbarkeit haben wir in der Grabeskirche noch zwei gemeinsame Fotos gemacht: Zwei Bilder, die den Abschluss unseres gemeinsamen Pilgerweges von Arbing in Oberösterreich nach Jerusalem in Israel bis zum Grab von Jesus Christus dokumentieren sollen:

 

 

 

Persönliche Abschlussbetrachtung:

 

31. Dezember 2010, 16.00 Uhr!

 

Ich habe soeben meinen sechsten Bericht fertig geschrieben und empfinde tiefe Dankbarkeit und aufrichtige Freude zugleich. Es ist für mich ein Geschenk Gottes, dass ich diesen Weg gehen durfte; Gott, der den Zufall so gelenkt hat, dass ich Johannes und Otto kennen lernen durfte.... Diesen Beiden gilt mein besonderer Dank, dass sie mich überhaupt auf diese einzigartige Reise mitgenommen haben. Eine Reise, die den Spuren des Heiligen Paulus von Tarsus und den Kreuzrittern gefolgt ist.

 

Dass letztlich alles ohne größere Komplikationen abgelaufen ist, darin sehe ich ebenfalls die Handschrift Gottes. Die vielen wunderbaren Begegnungen, die bleibenden Eindrücke, die mir Mutter Natur geschenkt hat, als auch die vielen großartigen Kulturstätten, die ich besichtigen durfte, werden mir immer und ewig in Erinnerung bleiben! Aber auch „die Gedanken die gekommen und gegangen sind“. werden sicherlich mein weiteres Leben mit beeinflussen!

 

Mit großer Freude und Zuversicht sehe ich daher meinem zukünftigen Handeln entgegen und ich freue mich sehr, wenn noch viele weitere Berichte auf dieser Internetplattform www.wertewege.at folgen dürfen.

 

Einen Beitrag für Frieden, für Freude und für Freiheit auf Erden leisten zu dürfen, stimmt mich sehr glücklich. Mein brennender Wunsch nach einer weltweiten Wertegemeinschaft für Frieden, für Freude und Freiheit, basierend auf

 

den 12 Werten http://www.zwilling.at/werte.htm,

den 12 Wünschen http://www.zwilling.at/wuensche.htm,

den 12 Bitten http://www.zwilling.at/bitten.htm,

den 12 Regularien (Ehrencodex) http://www.zwilling.at/ehrenkodex.htm und

dem gemeinsamen, völkerverbindenden und religionsübergreifenden Friedensgebet http://www.zwilling.at/friedensgebet.htm,

 

ist für mich zu einem festen Bestandteil meines Lebens und meiner Persönlichkeit geworden.

 

Ein ganz großes Ziel von mir ist es auch, dass diese Grundlagen für eine bessere Welt in 12 Sprachen übersetzt werden, damit einer positiven Entwicklung der Bewegung nichts mehr im Wege steht.

 

Ich beende meinen sechsten Bericht mit dem aufrichtigen Wunsch, dass diese Wertegemeinschaft noch kräftige Unterstützung von vielen Menschen erhält, die ebenfalls einen Beitrag leisten wollen für mehr Frieden, für mehr Freude und mehr Freiheit auf Erden!

 

In diesem Sinne wünsche ich jedem Menschen und Lebewesen auf unserem wunderschönen Planeten Erde ein gesundes, erfülltes, zufriedenes und glückliches Leben!

 

Bis auf weiteres!

 

Euer Pilger

 

David

 

 

Fotos und weitere Informationen findet ihr unter www.jerusalemweg.at.
Über einen Gästebucheintrag würden wir uns sehr freuen.

Euer Pilger David

 

 

Kontakt:

David Zwilling, Johannes Aschauer und Otto Klär

david@zwilling.at, mail@jerusalemweg.at

www.jerusalemweg.at